Eva-Maria Admiral und Eric Wehrlin

Interview

Eva-Maria, wie lange spielst du schon Theater?
Eva-Maria:  Ich bin jetzt seit 30 Jahren Schauspielerin. Seit meiner Ausbildung am Max-Reinhardt-Seminar, der staatlichen Schauspielakademie in Wien, stehe ich also schon auf der Bühne.

Kam da irgendwann so etwas wie eine „Spielmüdigkeit“ auf?
Eva-Maria:  Ich war 10 Jahre Ensemble-Mitglied am Burgtheater in Wien, dem größten deutschsprachigen Theater überhaupt. Wenn man dort Ensemble-Mitglied ist, heißt das, dass man ununterbrochen im Einsatz ist. Man isst und lebt und stirbt eigentlich am Theater. Das hab ich zehn Jahre lang gemacht und danach war ich wirklich spielmüde, so richtig „ausgespielt“. Am Anfang hat jeder Schauspieler den Drang, dass er alles spielen muss. Er glaubt, er kann nur leben, wenn er auch wirklich alles gespielt hat, ob nun Shakespeare oder irgendwas Modernes.

Theater scheint mehr als nur ein Beruf zu sein?
Eva-Maria:  Absolut, wenn man Schauspieler ist, dann hängen Beruf und Berufung eng zusammen. Wer diesen Beruf einschlägt, der weiß relativ schnell, wie hoch der Preis ist, den man da bezahlt. Mein Tagesablauf war so, dass man morgens um neun Uhr ins Theater kam und von 10-17 Uhr geprobt hat. Danach gab es eine Pause bis 18 Uhr und dann ging es auch schon ab in die Maske, weil um 19 Uhr die Vorstellung begann, die meist bis 23 Uhr gedauert hat. Und das jeden Wochentag – tagaus, tagein, vielleicht auch an Weihnachten und Ostern. Das heißt, man macht eigentlich den ganzen Tag nichts anderes als Theaterspielen.

1997 hast du dich dann entschlossen, als freie Schauspielerin zu arbeiten. Warum?
Eva-Maria:  Da kamen mehrere Komponenten zusammen. Erstens wurde die Stückauswahl in Wien immer begrenzter. Ich denke da an viele „modernen“ Stücke, zum Beispiel Elfriede Jelinek, Fäkalienstück..... da sitzt man dann das halbe Stück über auf dem Klo und hält dabei Monologe. Zweitens wurde im Laufe der letzten zehn Jahre in Wien wurde in mir ein Wunsch immer stärker: Dazu muss ich erklären, dass ich diesen Beruf eigentlich aufgrund meiner Bekehrung gewählt habe. Meine Bekehrung und meine Entscheidung ans Theater zu gehen, lagen nämlich zeitlich sehr nah beieinander. Als ich mich entschieden habe, meinen Weg mit Gott zu gehen, habe ich mich auch entschlossen, diesen Beruf zu wählen, wenn er das möchte. Ich habe dann die Aufnahmeprüfung gemacht. Von 2.000 Bewerbern wurden da nur zwölf genommen, acht Männer und vier Frauen – und ich war eine davon. Dieser Weg hat also unmittelbar mit Gott begonnen. Und mein sehnlichster Wunsch war von Anfang an, dass ich meine Begabung und meine Ausbildung für das einsetzen könnte, was mir am meisten am Herzen liegt. Und mein sehnlichster Wunsch war, dass Theater wieder den Platz einnehmen könnte, den es ursprünglich einmal hatte.

Was war ursprünglich die Funktion von Theater?
Eva-Maria:  Theater hat sich im Mittelalter aus dem Mysterienspiel entwickelt, Schauspiele mit christlich-religiösem Inhalt. Das heißt vom Grundgedanken her hatte Theater die Funktion, Verkündiger zu sein, Träger einer zum Teil sogar prophetischen Botschaft. In den Anfängen des Theaters ging es darum dem Volk, das meist auch nicht lesen konnte, biblische Geschichten zu veranschaulichen und ihnen dadurch Gott nahe zu bringen. Und mein Wunsch war, einmal selber Theaterproduktionen zu machen, die von Gott erzählen und das Publikum dahin führen, ihren Schöpfer kennen zu lernen.

 

 

Szene aus "Lieber Paulus..."

Theater ohne Botschaft muss letztlich zu einer erschreckenden Perspektivlosigkeit führen, die das Absurde Theater mit Samuel Becketts „Warten auf Godot“ ja eindrücklich vorgeführt hat. Wie beurteilst du diese Strömungen?
Eva-Maria:  Diese Strömung war eine Zeit lang sehr stark, ist aber jetzt aber wieder rückläufig. Sie ist davon ausgegangen, dass modernes und aufgeklärtes Theater keine Botschaft vermitteln kann, weil es eben keine Botschaft gibt. Ich glaube, das hat das Theater in eine Riesenkrise geführt. Dass es auch anders geht, sieht man zum Beispiel in Salzburg. Seit 86 Jahren läuft hier der „Jedermann“, das am meisten und längsten gespielte Stück auf der ganzen Welt. Der „Jedermann“ ist ein Mysterienspiel, wo es sehr klare, teilweise sehr einfache Botschaften gibt. Der Erfolg ist für mich ein Zeichen, dass das Publikum ein Bedürfnis nach klaren Botschaften hat und genau das auch vom Theater erwartet.

Gemeinden können dich einladen und mit dir zusammen einen Theaterabend für Gäste auf die Beine stellen. Eins deiner aktuellen Stück lautet „Oskar und die Dame in Rosa“. Worum geht’s da?
Eva-Maria: „Oskar und die Dame in Rosa“ basiert auf der Romanvorlage des Bestsellerautors Eric E. Schmitt, der zu den 15 meist gelesensten Autoren unserer Zeit gehört. Das Stück handelt von einem zehnjährigen Jungen, der unheilbar an Leukämie erkrankt ist. Im Krankenhaus, wo er die letzten 12 Tage seines Lebens verbringt, lernt er „Mama Rosa“ kennen, eine engagierte Betreuerin. Sie ermutigt ihn, jeden seiner letzten Tage so zu leben, als wäre es ein ganzes Jahr. Oskar schreibt in seinen letzten 12 Tagen Briefe an Gott, die „Mama Rosa“ nach seinem Tod findet und die ein bewegendes Zeugnis kindlichen Vertrauens sind. „Oskar und die Dame in Rosa“ ist ein wunderschönes Stück. Ich habe lange dafür kämpfen müssen, vom Verlag die Aufführungsrechte zu bekommen, aber es hat sich gelohnt.

Was macht gerade dieses Stück so interessant für christliche Gemeinden?
Eva-Maria:  Das Geniale an dem Stück ist, dass es sein sehr niederschwelliges Angebot ist. Fast jeder kennt dieses Buch, wenn es auch nicht unbedingt unter Christen sehr bekannt ist. Es ist eine tolle Möglichkeit, Menschen zu einem Theaterabend einladen und nicht in erster Linie zu einer Gemeindeveranstaltung. Viele Leute kommen dann einfach, um gutes Theater zu sehen. Und es sind hauptsächlich der Gemeinde fern stehende Menschen, die kommen. 80 Prozent der Besucher an so einem Theaterabend sind also Menschen, die nicht zur Gemeinde gehören und trotzdem ein Theaterstück mit einer eindeutigen Botschaft sehen. Ich freue mich dann immer sehr, weil ich merke, dass Gemeinden dadurch Menschen erreichen, die sie sonst nie erreichen würden. Und nach der Aufführung hat man dann wunderbar die Möglichkeit, mit Menschen ins Gespräch zu kommen und sie zum Beispiel zu einem Themen-Gottesdienst einzuladen, der die Botschaft des Theaterstücks aufgreift.

Kommst du selber nach solchen Theaterabenden mit den Leuten ins Gespräch?
Eva-Maria:  Auf jeden Fall, ich habe das bei noch keinem Stück so extrem erlebt wie bei diesem. Für mich ist das zutiefst ein Geschenk, wenn Menschen nach dem Stück zu mir kommen und ich merke, dass sie durch den Abend ganz unmittelbar und tief von Gott und seiner Botschaft berührt sind. Und zwar auf eine Art und Weise berührt, dass sie kommen und ganz konkret fragen: „Was kann ich tun, ich möchte auch diesen Gott so kennen lernen? Ich möchte auch so mit diesem Gott sprechen?“

In dem Stück geht es um die wesentlichen Fragen des Lebens: Woher kommt das Leid und wie passen Gott und Leid zusammen?
Eva-Maria: Viktor Frankl, der Erfinder der Logotherapie, die davon ausgeht, dass sinnentleertes Leben psychische Krankheiten begünstigen kann, hat mal gesagt: Wenn man ein „Wozu?“ hat im Leben, erträgt man jedes „Wie“. Und diese Erfahrung hat er im KZ gemacht! Die Menschen, die ein „Wozu?“ in ihrem Leben hatten, konnten das „Wie“ viel besser ertragen. Durch ein Stück wie „Oskar und die Dame in Rosa“ wird das „Wozu?“ auf einmal an einem Theaterabend sichtbar und für den Zuschauer greifbar nahe. Ich glaube, das ist es, was den Leuten an solch einem Abend plötzlich Hoffnung gibt und ihnen Mut macht, Gott und seine Hand zu ergreifen.

Eva-Maria, ich danke dir für das Gespräch und wünsche dir weiterhin, dass du mit diesem Stück "Oskar" viele Menschen erreichst.

 

 


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Interview mit "Neues Leben"

Theaterszene mit Eva-Maria

„Jesus hatte bloß noch keine Filmkamera dabei“ 
Die Schauspielerin Eva-Maria Admiral über Kunst, Glauben und die Endlichkeit des Seins

 
Frau Admiral, als junge Erwachsene beschlossen Sie, sich nie wieder mit Leuten an einen Tisch zu setzen, die das Wort „Gott“ in den Mund nehmen. Heute reden Sie selber auf der Bühne unaufhörlich von ihm. Was ist passiert? 
Eva-Maria:  Ich bin katholisch aufgewachsen und wollte als Teenager mit dem christlichen Glauben nichts mehr zu tun haben. Doch dann begegnete ich während meines Studiums in Paris einer jungen Frau aus Deutschland, die Christin war. Das wusste ich zu Beginn unserer Freundschaft allerdings nicht, und wenn ich es gewusst hätte, hätte ich mich niemals mit ihr befreundet. Im Laufe unserer Freundschaft tauchten dann in unseren Gesprächen immer wieder Begriffe wie „Gott“, „Glaube“ oder „Bibel“ auf. Und weil sie so normal und nett war, entfachte das mein Interesse.

Ein weiterer Schritt hin zu Gott war der, dass ich die Kathedrale von Chartre besuchte. Dort wurde an diesem Tag ein Orgelkonzert von Bach aufgeführt wurde. Das Witzige ist, dass ich weder ein besonderer Fan von Bach noch von Orgelmusik bin, ich wollte lediglich diese berühmte Kathedrale besichtigen. Doch während ich der Musik lauschte, war die Gegenwart Gottes auf einmal so stark, dass ich zum ersten Mal seit langer Zeit zu diesem mir unbekannten Wesen betete. Ich sagte: „Gott, wenn es dich wirklich gibt, dann möchte ich dich gerne kennen lernen.“ Erst viel später habe ich erfahren, dass genau das Bachs Gebet war: dass Menschen Gott finden mögen, wenn sie seine Musik hören.

Einige Tage nach diesem Erlebnis bin ich mit dieser Freundin dann zu einem Gottesdienst gegangen. Nach der Predigt wurden die Leute, die ein Leben mit Jesus Christus beginnen wollten, aufgefordert, zum Altar zu kommen. Und das habe ich dann gemacht – obwohl ich zu diesem Zeitpunkt weder wusste, worum es genau geht, noch wer Jesus wirklich war. Ich habe mir gedacht: „Ich mach das jetzt einfach mal und schau, was passiert.“ An diesem Tag begann meine Geschichte mit Gott. 


Und wie hat sich das ausgewirkt? 
Eva-Maria: Wie Menschen Gott erleben, ist ja sehr unterschiedlich. Aber bei mir war es tatsächlich so, dass ich am nächsten Morgen aufwachte und wusste: „Ich bin nicht mehr allein auf dieser Welt.“ Mir fiel eine riesige Last von den Schultern, das habe ich regelrecht körperlich gespürt. Ich konnte es nicht rational erklären, aber es war, als hätte ich die Hand Gottes ergriffen – eine Hand, von der ich vorher nichts gewusst. Seither bin ich mit ihm unterwegs und das sind nun schon mehr als 20 Jahre. 


Hat sich durch den Glauben Ihr Verhältnis zur Kunst verändert? 
Eva-Maria:  Ganz sicher. Von Kind auf war das Theater meine große Liebe. Ich wollte einfach nur spielen. Doch seit ich Gott kenne, will ich mit meiner Kunst auch etwas bewirken. 

 

Sollte Kunst denn eine Botschaft haben? Manche verneinen das ja. 
Eva-Maria: Also, ich sehe das so: Jede gute Kunst, jedes gute Theaterstück, jeder gute Roman, jeder gute Film, hat eine Botschaft. Nur schlechte Kunst hat keine. Kunst sollte das Publikum nicht für dumm verkaufen, nicht anschmieren. Aber leider verkauft die heutige so genannte „moderne Kunst“ das Publikum oft für dumm. Da werden Leute, die 200 Euro Eintritt gezahlt haben, mit nichts nach Hause geschickt. Und die Intendanten lachen sich kaputt. Das, finde ich, ist eine Frechheit. 


Schauspielern und an Jesus glauben – für manchen passt das ja nicht unbedingt zusammen. Was antworten Sie? 
Eva-Maria: In einer moderneren Übersetzung heißt es im Matthäusevangelium: „Jesus benutzte stets Gleichnisse und Bilder, wenn er zu den Menschen sprach, er sprach nie zu ihnen, ohne solche Vergleiche zu verwenden.“ Ich schätze einmal, dass rund 85 Prozent der Reden Jesu aus Bildern besteht. Und ich glaube, dass Jesus das wusste, was die moderne Gehirnforschung erst seit kurzem weiß, nämlich: dass ich ins Unterbewusste der Menschen nur mit Bildern vordringe, nicht bloß mit Worten. Wenn Jesus über Gnade redete, dann sagte er nicht: „Gnade, das ist: Erstens: Ein unverdientes Geschenk. Zweitens: Im griechischen Kontext bedeutet es dies und jenes ...“. Sondern er sagte: „Da war einmal ein Vater, der hatte zwei Söhne. Und einer von denen ist abgehauen ...“ Man konnte Menschen schon immer am besten mit Geschichten erreichen. Das einzige, was sich seit Jesu Zeiten geändert hat, ist die Form: Er hatte bloß noch keine vier Filmkameras dabei.

Wenn man in die Kirchengeschichte blickt, sieht man, dass von Anfang an Kunst und Glaube Hand in Hand gingen. Und auch im Alten Testament kann man nachlesen, wie Gott die verschiedensten Künstler berief, zum Beispiel zum Bau des Tempels. Erst viel später kam die gegenläufige Entwicklung: Raus mit allen Bildern, ab sofort gilt nur noch das Wort! Das hatte zum damaligen Zeitpunkt durch den Bilder-Missbrauch in der Kirche sicher auch seine Berechtigung. Aber damit haben wir eben auch vieles verloren. 


Was hat sich in den vergangenen Jahren aus Ihrer Sicht im Verhältnis von Christen und Kunst verändert? 
Eva-Maria: Heute haben die meisten verstanden, dass sie mit Theater Menschen erreichen können, die sie niemals mit einem Gottesdienst erreichen könnten. Wir erleben es häufig, dass Christen, die unsere Vorstellungen besuchen, das Theater mit dem Satz verlassen: „Wenn ich gewusst hätte, wie gut das ist, dann hätte ich noch jemanden mitgebracht!“ Früher glaubte man nicht daran, dass ein Theaterstück hinsichtlich des Glaubens wirklich Substanz haben könnte. Das hat sich verändert. Und ich wünsche mir sehr, dass die Christen noch viel mutiger werden und dieses großartige Instrument des Theaters ergreifen. 



Szene aus "Lieber Paulus..."

In Ihren Stücken greifen Sie immer wieder auch existenzielle Fragen auf. In Ihrem neuen Stück „Oskar und die Dame in Rosa“ geht es sogar um Krankheit und Tod. Was reizt Sie an solchen Thematiken? 

Eva-Maria: Ich bin immer auf der Suche nach Stoffen, die mir persönlich im Herzen brennen. Das, womit ich selbst am meisten kämpfen muss, ist das, was ich gerne spielen möchte. Es war Augustinus, der einmal gesagt hat: „Ich kann nur das Feuer im anderen anzünden, das in mir selber brennt.“ Das, was ich mir selber erarbeiten und auch verarbeiten muss, nur das kann ich weitergeben. Nur das, was für mich Bedeutung hat, bekommt auch eine Bedeutung für das Publikum. 


Erleben Sie es häufig, dass jemand, angestoßen durch ein Stück, nach dem Glauben zu fragen beginnt? 
Eva-Maria: Ich erlebe gerade von glaubensdistanzierten Menschen ein großes Bedürfnis, über die Aussagen eines Stückes zu sprechen. Zum Beispiel erleben die Zuschauer meines aktuellen Stücks „Oskar und die Dame in Rosa“ den unmittelbaren Kontakt des kleinen, todkranken Oskar zum „lieben Gott“. Das Stück ist in weiten Teilen sehr humorvoll, obwohl es eine sehr traurige Thematik hat. Nach einer der ersten Aufführungen sprach mich eine Professorin an: „Ja, Frau Admiral, kann ich denn mit Gott auch einfach so reden wie der Oskar?“ Und schon waren wir im Gespräch. So etwas passiert immer wieder. 

 

Erklären Sie kurz, worum es bei „Oskar und die Dame in Rosa“ geht? 
Eva-Maria: Oskar ist ein 10-jähriger Junge, der viele Fragen über das Leben hat und auch darüber, warum er so krank ist und warum er sterben muss. Also schlägt ihm die Dame in Rosa, seine Betreuerin im Krankenhaus, vor, so zu tun, als stünde ab sofort jeder Tag für zehn Jahre seines Lebens. Zusammen mit Oskar und Gott erleben die Zuschauer ein Menschenleben sozusagen im Schnelldurchlauf – mit all seinen Fragen, Freuden und Problemen. Und am Ende erleben sie auch, wie Oskar ein Ja zum Sterben findet.

Ich wollte dieses heikle Thema von einer guten Seite aus angehen, möchte mit dem Publikum nachdenken. Und ihnen auch zeigen, was der christliche Glaube an Hoffnung bietet. 

 

Sie leiden selbst an einer unheilbaren, chronischen Krankheit. Wie leben Sie damit? 
Eva-Maria: Ich leide seit einer verunglückten Blinddarmoperation vor etlichen Jahren an Darmverwachsungen und habe bereits drei lebensgefährliche Darmverschlüsse hinter mir. Dazu bin ich an Morbus Chron erkrankt und medizinisch kann man da im Moment nicht viel machen. Praktisch heißt das für mich, dass ich ständig mit einem gewissen Schmerzpegel leben muss, besonders nach dem Essen. Ein Jahr lang wurde ich künstlich ernährt, damit ging es mir besser. Aber das will ich nicht mehr. Oft wundern sich die Leute, wenn ich nach dem Essen sofort auf mein Zimmer verschwinde, weil ich mich hinlegen muss. Ich bin wesentlich dünnhäutiger als andere Menschen, bin nicht so belastbar. Und für den, der das nicht weiß, ist mein Verhalten schon manchmal verwunderlich.  

 

Haben Sie Frieden mit Ihrem Zustand geschlossen? 
Eva-Maria: Das wechselt. Ich weiß, dass diese Krankheit mich auch vor vielen bewahrt. Meine Großmutter sagte immer: „Eva-Maria, du bist eine Kerze, die an beiden Enden brennt und du wirst nicht lange brennen.“ Und das hat sie genau so gemeint. Ich würde, wenn ich ganz gesund wäre, sicher auf tausend Hochzeiten tanzen. Aber aufgrund der Krankheit muss ich mich bremsen. Diese eingebaute Bremse würde ich für mich als positiven Effekt der Krankheit ansehen.

Worauf ich absolut allergisch reagiere, ist das Gerede mancher Christen, die sagen: „Du hast diese Krankheit, weil ...“ Solche Kausal-Zusammenhänge haben schon die Jünger immer gesucht. Als sie zum Beispiel einen Blinden am Straßenrand sahen, suchten sie sofort nach dessen Schuld an seiner Misere. Doch Jesus wies sie zurecht und zeigte ihnen, wie falsch sie lagen. 


Ist das Thema „göttliche Heilung“ ein Thema für Sie? 
Eva-Maria: Das überlasse ich Gott. Ich habe längst die Warum-Frage hinter mir gelassen und auch die Trauer- und die Zornesphase. Lassen Sie es mich so sagen: Ich sehe mich und meine Zeit begrenzt, aber das macht mir nichts aus.

Der Psychotherapeut Viktor Frankl hat einmal gesagt: „Es wäre doch schrecklich, wenn ich noch drei Millionen Sommer zu erleben hätte, drei Millionen Kinder und noch drei Millionen Ehen. Wo wäre dann mein Wert?“ Wir haben keine drei Millionen Sommer – wir haben eine begrenzte Zeit. Wir sind als Menschen nicht unendlich. Irgendwann hat unsere Lebensspanne ein Ende – und das ist gut so! 

 

 
Stichworte zum Text: Theater, Kunst, Glaube, Evangelisation, Krankheit

Interview: Sabine Müller, Magazin NEUES LEBEN
 


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Berufung: mehr als nur Beruf...

Theaterszene mit Eva-Maria Admiral

 

Seit 25 Jahren bin ich Schauspielerin.

Einer der einflussreichsten Schauspiellehrer, Konstantin Sergejewich Stanislawski, schrieb um die Jahrhundertwende in einem seiner Lehrbücher: "Der Schauspieler muss sich immer der 'Über-Aufgabe' seines Lebens bewusst sein". Was er damit sagen wollte war, dass wir Schauspieler, genau wie in jedem anderen Beruf, definieren sollten, WARUM wir gerade diesen Beruf ergreifen wollen. Viele Rückschläge, Enttäuschungen, Ungerechtigkeiten und Intrigen können in diesem Beruf nur überstanden werden, wenn ich mir der "Über-Aufgabe" meines Lebens genau bewusst bin.

 

Ist es "Glanz und Glorie", was mich an diesem Beruf reizt?

Die Momente des Glanzes gibt es in diesem Handwerk sicherlich auch. Aber sie stellen eben nur ein paar Momente dar, Sternstunden, inmitten der harten Arbeit, Schinderei, Enttäuschung, unzähliger Vorsprechen ...

Ich denke an ein Vorsprechen in Wien, bei dem der Regisseur, der die Rollenbesetzung vornahm, meinte: "Sehr begabt, aber ich will mehr Busen". Oft wurde ich für eine Rolle nicht genommen, weil ich zu klein war ... alltägliche Enttäuschungen einer Schauspielerin.

 

Sicher erleben wir auch wunderbare Momente, zum Beispiel, als ich zur "Aufsteigerin des Jahres" gewählt wurde. Ja, dann ist man auf der Titelseite, hat ein paar Interviews, dann ist der Glanz wieder vorüber. Dann wird es wieder still und die gewohnte Arbeit beginnt wieder von vorne.

Von vorne? Ja, denn jede Theater- oder Filmrolle stellt eine neue Herausforderung dar. Jede Rolle kann ein Sprungbrett werden. Aber auch ein entsetzlicher Absturz. Ein paar böse Kritiker können das Image eines Schauspielers für immer vernichten. Ich kann mich nicht auf den Lorbeeren von gestern ausruhen - wenn die nächste Rolle nicht genauso gut wird, werde ich unweigerlich von den Kritikern, aber auch vom Publikum "zerrissen".

Stanislawski meinte, der Schauspieler müsse sich der "Über-Aufgabe" SEINES Lebens stets bewusst sein, um alle Enttäuschungen, Rückschläge und Ungerechtigkeiten überstehen zu können.

 

Geht es uns nicht in allen Berufssparten, ja in unserer Lebensspanne, immer wieder so, dass wir irgendwann nach dem WOZU fragen - fragen müssen? Und nach Erfüllung?

Finde ich wirklich Erfüllung am Theater? Finden SIE Erfüllung in Ihrem Beruf? Ich glaube, wahre Erfüllung finde ich erst dann, wenn ich zu enger Gemeinschaft mit meinem Schöpfer zurückfinde. Ich glaube, dass den Menschen nichts mehr erfüllen kann, als eine liebende Beziehung mit seinem Schöpfer.

Dazu war ich anfangs ganz und gar nicht bereit. Mit 18 Jahren verließ ich die Kirche, da ich eine sehr schwere Zeit in einem religiösen Internat erlebt hatte. Damals hatte ich beschlossen, mich nie wieder mit Religion zu beschäftigen. Mein Schwur lautete: Ich möchte nie mehr wieder mit Menschen an einem Tisch sitzen, die das Wort "Gott" oder "Bibel" in den Mund nehmen. Ich wollte vor allem so viel wie möglich von diesem Leben genießen, koste es, was es wolle. Ich ging nach Paris, um dort Literatur zu studieren.

Und tatsächlich schien mir vieles zuzufallen. Doch je mehr sich meine Wünsche und Vorstellungen verwirklichten, desto leerer schien mir mein Leben. Immer wieder kam diese Frage in mir hoch: "Ist das alles?"

In der Bibel steht, dass es für uns ohne Gott "nie genug" ist. Diese Eindruck, "nie genug", trieb mich immer mehr an. Nie zufrieden, nie genug, mehr Anerkennung, mehr Ehre, mehr Geld, mehr, mehr, mehr ... Ich war eine Getriebene, nie zufrieden.

 

Theaterszene aus "Lieber Paulus"

Eines abends fuhr ich von Paris nach Chartres, um in der berühmten Kathedrale ein Orgelkonzert von Bach zu hören. Als ich in dem dunklen, gotischen Bau saß und die gewaltige Musik über mich hereinbrach, überfiel mich plötzlich der Gedanke: "Was mache ich, wenn Gott wirklich existiert? Wenn ich eines Tages vor ihm stehe, von Angesicht zu Angesicht? Wenn es wirklich eine Ewigkeit gibt?" Ich wurde mir zutiefst bewusst, dass ich mich nicht rechtfertigen konnte. Ein Gefühl der Ohnmacht und Verzweiflung überkam mich und zum ersten Mal in meinem Leben betete ich zu dem großen Unbekannten: "Gott, wenn es Dich wirklich gibt, dann zeige mir, wie ich mit Dir leben kann."

................................Ein neues Leben begann. Ich wußte: Ich war mit Gott versöhnt. ER war nun mit mir, auf meiner Seite. Nicht weil ich nun so ein toller perfekter Christ war, sondern weil ich meine Schuld bezahlen ließ. Natürlich waren dadurch die Probleme diese Lebens nicht automatisch verschwunden. Aber ich hatte eine neue Quelle in mir, die mir Kraft und Weisheit schenkte. Auch in Zeiten in denen ich kaum Glauben hatte, spürte ich deutlich seine Hand.

Ich glaube, dass dieses Erfülltsein für mich als Künstler enorm wichtig ist. Es ist ein Unterschied, ob ein junger Mensch seine Karriere erfüllt, oder leer beginnt. Der leere Mensch, der seine Erfüllung in seiner Kunst, in seinem Beruf oder in seinem Erfolg sucht, wird schlussendlich zum Sklaven seines Berufes. Jeder Misserfolg kann seine Persönlichkeit zerschlagen. Er jagt von Erfolg zu Erfolg. Er ist ein Getriebener, aber kein Geführter, kein von Gott Geführter.

Wieviele Menschen verlieren Ihre Seele auf der Suche nach Erfolg, nach Anerkennung, nach Karriere, nach mehr, mehr, mehr ...

Mein Vater im Himmel sagt in seinem Wort: "Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne, aber seine Seele verliert?"