Eva-Maria Admiral und Eric Wehrlin



Szene mit Eva-Maria Admiral, Eric Wehrlin, Norbert Schnabel

„28 Zimmer“ 

Jürgen und Brigitte sitzen im Wohnzimmer,  liegen auf einer Couch, es ist spät abends.

Brigitte: Ich geh schon mal ins Bad, ich muss morgen früh raus ... (steht auf und geht zur Badezimmertür) Du kommst doch auch gleich, Schatz? (verschwindet im Badezimmer)
Jürgen: Ja, ja ... noch (blättert in seinem Buch) vier Seiten, dann hab ich das Kapitel durch.
Brigitte (kommt mit einem Glas Wasser und einer Tablette wieder aus dem Bad): Übrigens , wir sind am Samstag bei den Schlüters eingeladen ... Einweihungsparty.
Jürgen : Bei den Schlüters? Muss das sein?
Brigitte: Ich hab schon zugesagt. Das lass ich mir nicht entgehen ...
Jürgen: Samstag passt mir gar nicht ...
Brigitte: Stell dich nicht so an. Der Neubau soll ja ein halber Palast geworden sein, Sauna, Whirlpool, Fitnessraum, drei Garagen und jede Menge Schnickschnack.
Jürgen Schnick Schnack ?
Brigitte Schnick Schnack -  Komm schon, das schauen wir uns an ...
Jürgen: Der Schlüter quatscht mich bestimmt den ganzen Abend wieder voll und erzählt von nichts anderem als seinen grandiosen Geschäften – das wird die reinste Qual für mich! Ich kann das nicht mehr hören!
Brigitte: Wieso , da kannst du doch verkraften, dass jemand anderer erfolgreicher ist als du..
Jürgen: Ach was, der hat doch bloß ne große Klappe! Nie im Leben ist der so ne große Nummer, wie er immer tut. Wenn du mich fragst, leben die völlig über ihre Verhältnisse
Brigitte: ja, Seine Frau hat schon wieder ein neues Cabrio ...
Jürgen: Oder er macht irgendwelche krummen Sachen – was weiß ich, wie der an die viele Kohle kommt ...
Brigitte: Na ja, was man so hört, hängt der sich  mächtig rein.Vor neun kommt der  nie nach  Hause .naja.. Von nix kommt eben nix.
Jürgen: Willst du damit irgendetwas andeuten?
Brigitte: Nein..Nur, dass ich auch gerne im Winter für zwei Wochen in die Karibik fliegen würde. Und der Schwarzwald im Sommer hängt mir mittlerweile auch schon zum Halse raus.
Jürgen: Bitte, wir können ja auch mal an die Nordsee, wenn du ...
Brigitte: Nordsee..Blödsinn. Was macht der Schlüter so anders, dass die so im Saft stehen?
Jürgen : Das Geld liegt auf der Straße – man müsste nur wissen auf welcher ...
Brigitte : Häng dich doch mal ran an den, quetsch ihn aus, lass dir ein paar Tipps geben – vielleicht kann er dir sogar einen bessern Job besorgen ...
Jürgen : Brigitte, was soll das?
Brigitte: Hase, hast du denn gar keinen Ehrgeiz?!
Jürgen : Was willst du denn eigentlich von mir? Mach dir doch nichts vor: Die haben uns doch nur eingeladen, um ihren Wohlstand vorzuführen ... Aber bitte, wenn dir unbedingt daran gelegen ist, dich arm und mickrig zu fühlen, dann gehen wir eben hin ..
Brigitte : Du solltest dich mal reden hören, wie der Fuchs vor den Trauben. Hase ,wir kommen seit Jahren mit deinem Gehalt gerade mal so  über die Runden, und andere ziehen uns  auf und davon. Dir scheint das völlig egal zu sein ...
Jürgen: Brigitte, schon mal gehört, das Geld den Charakter verdirbt?
Brigitte: Mag sein. Aber Geldmangel macht ihn auf keinen Fall besser. Und dass dir die inneren Werte so viel bedeuten, ist mir auch neu. Sei doch mal ehrlich: Es ist doch Quatsch zu behaupten, dass Geld nicht glücklich macht. Damit meint man doch immer nur das Geld der anderen.
Jürgen: Sicher ist es schön, gut bei Kasse zu sein, da hast du ganz recht. Aber das ist nichts gegen das bescheuerte Gefühl, immer so herumzukrebsen wie wir. Ich bin vielleicht kein Überflieger, aber auch nicht masochistisch veranlagt: Es ist für mich nicht sehr vergnüglich, mit anzusehen, wie weit es meine früheren Nachbarn gebracht haben ...
Brigitte: Also , was ist ..gehen wir jetzt hin oder nicht?
Jürgen: Okay. Ich komm mit. Ich hör mir alle seine Geschichten an. Ich werd ihn beglückwünschen und sein Haus bewundern, die Sauna, die italienische Küche, die Designermöbel, die 18 Zimmer
B: 28
J: 28– und sein Glück damit vollständig machen. Was ist all der Reichtum schließlich ohne den Neid der andern? Bist du dann zufrieden?!
 Kann ich jetzt mein Kapitel zu Ende lesen?!
Brigitte: Du bist aber empfindlich ...
Jürgen: Ist doch wahr!
Brigitte : Du ...
Jürgen: Ja, was ist denn noch? Ich dachte, du wolltest ins Bad ...
Brigitte: Es gibt da noch ein kleines Problem ...
Jürgen : Ich höre ...
Brigitte: Ich hab für Samstag noch nichts anzuziehen...

Blackout