Eva-Maria Admiral und Eric Wehrlin

Besuchszeit

 

Eine Frau besucht ihre Mutter, die im Krankenhaus auf der Intensivstation liegt. Sie unterhält sich mit ihr, als ob alles normal wäre. Verschiedene Besucher, darunter der Arzt und ein Pfarrer, lassen die Frau nach Gesprächen mit dem Gefühl zurück, alleine zu sein. Es scheint, dass keiner weiß, wie man einem Menschen in einer schmerzlichen Situation beistehen kann.

 

Themen:                Leid, Andere trösten, Tod, lieblos

Schauspieler:       2 Männer, 2 Frauen

Dauer (Min):          7       


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Besuchszeit

In einem Krankenhauszimmer. Man hört das Geräusch von Apparaturen  eines Herztongerätes (Intensivstation?)
Susanne kommt mit einem Blumenstrauß herein.

S:    Guten Morgen, bin wieder da.. gut geschlafen...
Ich hab dir frische Blumen(sie tauscht die alten aus) Sie sind wunderschön...... sie heißen Wysteria....ich hab den Schwestern gesagt, daß sie den Arzt hierher schicken sollen, sobald sie ihn sehen. Ich hab ihn schon eine Ewigkeit nicht mehr gesehen..(sie ist niedergeschlagen geht zum Fenster schaut hinaus) ein wunderschöner Tag.. die Sonne -- und die Luft.. der Himmel sieht heute besonders schön aus..
Übrigens ich hab dir was mitgebracht (geht zu ihrer Handtasche)-  wird dir bestimmt gefallen

Doktor:    (kommt herein) Guten Tag
Susanne:     Oh, guten Tag Herr Doktor.
D:         Sie wollten mich sprechen?
S:         Ja, ich wollte von ihnen hören, wie es meiner Mutter geht.
D:         Hat  Schwester Monika nicht mit ihnen gesprochen?
S:         Ja, aber ich wollte den neuesten Stand gern von Ihnen persönlich hören.
D.    (schaut auf die Krankenkarte) Ja.....Blutdruck stabil, Atmung ok..
S:         Hat sie  Schmerzen?
D:         Das haben wir bereits besprochen, Frau Braun.
S:         Es ist nur.. ich habe den Eindruck, daß es ihr schlechter geht.
D:        (ungeduldig) Das war zu erwarten (schaut auf Krankenkarte) .....
S:     Herr Doktor, bitte, ich versteh das einfach nicht.(sie wird sehr emotional) als ich sie herbrachte,  ging es ihr gut. Sie hat gesprochen,  gegessen, telephoniert und sich über geringe Schmerzen beklagt. Und jetzt?
D:        Ihre Mutter  hat Krebs.
S:         Das weiß ich, ich will nur wissen, wie es weitergeht.
D:         Jeder Fall ist anders.
S:         Können Sie mir vielleicht einmal einer richtige Anwort geben?
D:         Sie kann jeden Tag sterben (S. bricht in sich zusammen)
Ja, es tut mir leid (Er geht)

S:     (reißt sich zusammen) ( das nenn ich eine Art mit Kranken umzugehen) (Sie atmet tief durch)  na, Mutti, hast Du inzwischen erraten, was ich die mitgebracht habe? (Sie suchte etwas in ihrer Handtasche, findet es nicht, wird verzweifelt) Ein Buch von Saint-Excupery  (bringt es ihr) Ich weiß wie sehr du seine Geschichten liebst. Ich hab mir gedacht, wenn du schon den ganzen Tag im Bett -liegen mußt, dann könne wir uns wenigstens die zeit mit ein paar   schönen Geschichten
Vertreiben.  
Du siehst heute besser aus.( beginnt vorzulesen)

Priester:     ( Tritt ein ) Verzeihung
S:     (hat ihn nicht gehört) Es heißt...(liest)
P:     Verzeihung
S:     Oh - guten Tag - ( Kennen wir uns?)
P:     Mein Name ist Pfarrer Beidler - ich bin der zuständige Pfarrer vom Krankenhaus.
S:     Ich bin Susanne Braun , die Tochter von Frau Braun.
P:     Ich freue mich Sie kennenzulernen.
S:     Ich wußte gar nicht, daß meine Mutter viel mit der Kirche zu tut hat.
P:    Jedenfalls ist sie immer noch Mitglied, und auf der List der Patienten mit religiösem Bekenntnis. Wie geht es ihr denn?
S :     Der Doktor sagt das ihr nicht mehr viel Zeit bleibt.
P:     Das tut mir leid, aber denken Sie daran : Alles wird gut für denjenigen, die ihn lieben und nach seinem Plan berufen sind.
S:    Wie bitte?
P:    Ja, Römerbrief 8 Vers 28
S:     Ach so ..
P :     Sicher eine wunderbare, gütige Frau, ihre Mutter. Sie hatte sicher immer ein Lächeln und für jeden ein gutes Wort..
S:     Sind sie sicher, daß Sie meine Mutter meinen?
P:     Oh , ha, ha ( Plötzlich ernst) darf ich für ihre Mutter beten?
S:     Ja .. also. .....eigentlich..
P:     Herr und Gott, wir wissen das du Franziska nach Hause rufst. Ihre Arbeit auf Erden ist beendet. Du willst sie mehr als wir. (S sieht ihn ungläubig an..) Was für ein herrlicher Tag wird es sein, wenn Franziska deine Pforten betritt und ihren Herrn gegenüber steht. Laßt uns nicht an diesem Leben haften, sondern uns auf das ewige Leben mit unserm Gott freuen. In Seinem Namen beten wir. Amen. Gott segne sie. ( er geht ab)
S:     (braucht einem Moment um sich von diesem Besuch zu erholen) Kein Wunder, daß du nicht mehr in die Kirche gehen wollest (sie geht zu ihrer Mutti) Schläfst du immer noch ? Du denkst wahrscheinlich schon an den Roman.. also, ich les’ dir vor (beginnt u zu lesen)
GINA: (kommt vorsichtig herein , flüstert, sei ist aufgetakelt, chic, geschminkt, chic angezogen) Susanne? Susanne
S:     Gina! Hallo
G:     Hallo
S:     Ach , wie schon, daß du hier bist (sie umarmen sich )
G:     Wie geht es Dir?
S:     Ein ziemlich schwerer Tag heute.
G:     Wir geht es ihr?
S     Nicht gut - der Doktor sagt es ist nur eine Frage der Zeit.
G     So schnell? ... das tut mir leid..
S:     Ich bin so froh, daß du da bist .. sie wird sich freuen ihr Lieblingsnichte zu sehn..
G:     Ist es sehr schwer ?
S:    Ja ..... ich schaffs einfach nicht,
G:    Ich weiß
S:     Komm, sag ihr hallo
G     (zögert) oh..
S:     Du kannst sie umarmen
G:     Ich weiß,  es ist nur, weil mein Mann im Halteverbot auf mich wartet.
S:     sie wird sich so freuen..
G:     Tut mir leid, ich wollte dir nur kurz Hallo sagen
S:     Bitte es dauert nur ein par Minuten und es wird ihr eine Menge bedeuten .. (ihre Lieblingsnichte zu sehen.. )
G:     Du.....
S:     Was ist? (was hast DU ?)
G:     (verlegen ) Ich kann das nicht..
S:     Was?
G:    Naja.. Schläuche, Nadeln und Krankheit überhaupt. seit Oma im Krankenhaus gestorben ist ..fühl ich mich in solchen Gebäuden sehr unwohl

S :(etwas verärgert) warum bist du  dann gekommen?
G: ....um dich  zu..sehen...
S:Es geht doch jetzt (hier ) nicht um mich. Es geht um Mutti - niemand will sie in diesem Zustand sehen.
G: ( Pause ) okay.. gut. .ich schau sie mir an (geht Richtung Bett)
S: Vergiß es. Sie ist sowieso schon ganz weggetreten. Sie würde dich gar nicht bemerken.
G:Susanne, wenn du willst, daß ich.-....
S: nein ich  hab's m mir  andres überlegt. Du mußt das nicht tun, Abgesehen davon: dein Mann wartet. Wir sehen uns ein ander Mal.
G: Susanne
S: Schon in Ordnung..
G: (Pause) Gut... Wenn Du willst... Ich ruf dich an..
S ( Pause. Nachdem Gina gegangen ist, sarkastisch?)Danke fürs Kommen.( Susanne setzt sich. Sie sinkt in sich zusammen. Das Licht blendet langsam aus)