Eva-Maria Admiral und Eric Wehrlin

Der Eindringling

 

Eine junge Frau möchte für ihre Medizin – Prüfung lernen. Im Hinterkopf hört sie aber die Stimme ihres Vaters, der ihr schon in als Kind eingeredet hatte, sie sei dazu nicht fähig. Sie versucht gegen diese destruktiven Gedanken anzukämpfen.

 

Themen:  Vaterbeziehung, Vaterbild - Gottesbild.

Schauspieler:        2

Dauer (Min):           6    

 

 


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Der Eindringling




Textbearbeitung und Übersetzung von
Eva-Maria Admiral © Copyright by Eva-Maria Admiral   Kulturforum ,Salzburg
Requisiten: Medizinbücher und Skripten, Block. Bleistift .
Text und Mikrophon für 2. Schauspieler
Eine Wohnzimmerszene mit (Couch) Sofa und Couchtisch.
Eine Tüte mit Knabberzeug( Salzstangen) und eine Gurke in Scheiben geschnitten
Ein Glas
Eine Flasche Mineralwasser
 Ingrid sitzt umgeben von unzähligen Büchern,Skripten und Aufzeichnungen und lernt für eine Prüfung.


Ingrid:     NNH – Nasennebenhöhlen. NNM.  NNM. Nebennieren Mark. Gut. NLG. NLG. Keine Ahnung  - Nervenleitgeschwindigkeit. NLG – Nervenleitgeschwindigkeit. Nl. Nl. Das weiß ich doch. Hm.
 Lymphknoten. Nl- Lymphkmnoten , nl- Lymohknoten,, Warum kann es nicht LK heißen? Lymphknoten – LK. Aber nein, es muss lateinisch sein. Sogar die katholische Kirche hat den Sprung ins zwanzigste Jahrhundert geschafft. Warum schafft ihn die Medizin nicht?
NMD. NMD. - ich habe keine Ahnung, was das ist- Das gibt’s doch nicht.
Warum  kann mir das nie merken!   Was denken die, was ich bin? Ein Computerchip?
Ich weiß es nicht. Ich  weiß  nicht, was NMD heißt. Ist mir auch egal.
Wie soll ich diese Prüfung  nur schaffen? Ich will doch einfach nur Krankenschwester werden. Was haben den »niedermolekulare Dextrane« , NMD ,  mit Fieber messen   zu tun? (Pause.) Oh, Gott, ich brauch deine Hilfe.
Vater:    (Stimme MIT HALL hinter der Bühne.) Er kümmert sich nicht um dich.
Ingrid:    (Keine übermässige Reaktion auf die Stimme.) Aber warum solltest du mir helfen?
Vater:     Stimmt genau
Ingrid:     Ich habe schon ewig  nicht mehr  gebetet, ich habe den Gottesdienst geschwänzt... jetzt vernachlässige ich meine Familie..
Vater:      Nichts Neues -oder?
Ingrid:     (Jetzt wird deutlich, dass sie die Stimme wahrgenommen hat, aber versucht, sie auszublenden. Sie legt die Hände über die Ohren.) Ich kann das jetzt nicht gebrauchen. Jetzt nicht. Ich habe viel zu viel zu tun. (Versucht, einen weiteren Begriff zu lernen, kurzes Schweigen.)
Vater:    Warum gibst du nicht einfach auf?
Ingrid:Warum musst du dich immer einmischen??
Vater:    Krankenschwester?
Ingrid:     Ignorier es, Ingrid - Ignorier es einfach.
Vater:    Wie bist du nur auf die Idee gekommen, Krankenschwester zu werden?
Ingrid:    Na los, konzentrier dich, bleib bei der Sache
Vater: (Erscheint nun hinter ihr auf der Bühne.) Du kannst lernen, bis du schwarz  wirst und wirst es doch nicht schaffen.
Ingrid:    (Abrupt.) Ich werde es schaffen.

Vater:     Wer kennt Dich besser als Dein Vater – mhm? Du warst schon immer eine Traumtänzerin. Na ja, Träumer laufen immer Hirngespinsten nach, aus denen nie was wird.
Ingrid:    Warum kann ich nie etwas machen, ohne dass du in meine Gedanken eindringst?
(Pause. Ingrid versucht zu lernen.)
Vater:    Wo sind denn die Kinder?
Ingrid:     Die Kinder sind in guten Händen. Sie sind bei einer Freundin.
Vater:    Sollten sie nicht bei ihrer Mutter sein?
Ingrid:    Sie sind ja bei mir. Nur eben jetzt nicht.
Vater:    Sie sehen diese Freundin aber öfter als ihre Mutter.
Ingrid:    Nur so lange ich meine  Ausbildung mache. Das wissen sie und sie verstehen es.
Vater:     Kinder verstehen  nichts. Sie sind einfach dumm.
Ingrid:    Ich bin nicht dumm.
Vater:    In keinem Job behält man dich längere Zeit. Und du hast es nie geschafft, eine gute Ehe zu führen.
Ingrid:    die  Jobs  habe ich von mir aus gewechselt  und  er hat mich betrogen, nicht ich.
Vater:     Wie Du glaubst
Ingrid:Es waren keine guten Jobs
 Deswegen werde ich jetzt Krankenschwester. Das wollte ich schon immer gerne machen
Vater:    Fehlt nur noch die   Geige für die kitschige Hintergrundmusik

Ingrid: Ich mache das für mich.  für mich. Für niemanden sonst. Und ich werde hart dafür arbeiten. (Fängt wieder an zu lernen.)
Vater:    Du hast in deinem Leben noch nie für etwas hart gearbeitet.
Ingrid:    (Bemüht sich nach Kräften, die Stimme des Vaters abzustellen.) Ich werde hart dafür arbeiten. Ich arbeite zum Beispiel  hart daran, mein Leben zu verändern – um mir und meinen Kindern etwas Gutes zu tun.
Vater:    Du hast nie etwas geschafft. (Aus dir ist niemals etwas geworden, was bringt dich auf die Idee, daß aus Dir einmal etwas werden wird??) Was bringt dich auf die Idee, dass du es jetzt schaffen könntest?
Ingrid:     Weil ich jetzt anders bin.
Ich bin stärker. Und ich bin klüger.
Vater:    Du warst noch nie klug.
Ingrid:     Und ich bin nicht mehr alleine.
Vater:    Ein neuer Freund? Ich wusste doch, dass du es nicht lange alleine aushältst.
Ingrid:     Ich habe .......ich habe Gott.
Vater:    Oh, richtig. Daran habe ich nicht gedacht. (Ingrid antwortet nicht. Der Vater lacht.) Das war wohl nur eine Frage der Zeit. Alle Träumer ( Verrückten) kommen früher oder später dahin.
Ingrid:    Er kümmert sich um mich.
Vater:    Machst du Witze? Du glaubst doch nicht ernsthaft, er kümmert sich um dich – um jemanden, der seinen Ehemann, seine Kinder und seinen Job für eine verstiegene Karriereidee aufgibt?
Ingrid:    Warum tut er mir das immer wieder an? Er ist seit zwei Jahren tot!
Vater:    Du bist eine Träumerin, Ingrid. Du warst immer eine Träumerin und wirst immer eine sein. (Dagegen kannst du nichts machen.) (Ingrid versucht zu flüchten)
und so leid es mir tut, Du wirst immer das bleiben was DU bist . Eine chaotische  Traumtänzerin.  Warum lässt du diesen ganzen Krankenschwester-Kram nicht einfach und lebst dein Leben so weiter wie bisher? Das ist doch am besten, Ingrid. Glaube  mir. ....
Wer kennt dich denn besser als dein Vater, hm?
(Geht hinaus. Ingrid kämpft mit den Tränen und das Licht verlöscht langsam)