Eva-Maria Admiral und Eric Wehrlin

Die   richtige   Entscheidung

 

Monolog / Ein junger Mann kommt auf die Bühne, er hat einen Wohnungsschlüssel in der Hand. Er steht offensichtlich vor seiner Haustüre. Er überlegt sich, wie er seiner Frau erklärt, dass er gekündigt wurde.

 

Themen:            Ehrlichkeit, Lügen haben kurze Beine Zivilcourage              

Schauspieler:   1       

Dauer (Min):      5     


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Die richtige Entscheidung

Monolog
(Ein junger Mann kommt auf die Bühne, er hat einen Wohnungsschlüssel in der Hand. Er steht offensichtlich vor seiner Haustüre)

Hallo, Liebling ! Wie war dein Tag ?  Gut?! Meiner ?    Oh.. der war... ja .. er war...

So funktionierts nicht. Da merkt sie sofort was ..... sie erkennt immer an meinen Augen, wenn was nicht in Ordnung ist.   
Und wenn ich die aufsetzte ?
Sonnenbrille.
Hallo Liebling !  Ich bin zu Hause!
Er weiß nicht weiter.
Wie in aller Welt soll ich es ihr nur erklären ?
Er reißt sich zusammen.
Liebling, man hat mich heute ......  schlimm erwischt, abgeschossen, gestoßen, hinausgestoßen, an die Luft gesetzt, fallen gelassen, gefeuert !
Du kannst Dir eine passende Bezeichnung wählen....  bedeutet alles dasselbe.
Versager.  Absolute Niete.  Das bin ich.

Dann wird sie mich ansehen......verständnisvoll ........sie wird versuchen mich zu beruhigen.   „Alles kommt wieder in Ordnung.  Richtig. Aber wie ?  
Wie kann denn alles wieder in Ordnung werden ?  Reporter gibt’s wie Sand am Meer.
Lacht. Deine Schwester hat mich immer den Aufsteiger genannt, du wolltest das nicht hören....Jetzt formuliert sie es sicher um, und zwar treffenderweise in Absteiger.  Das wird ihr gefallen.
Merkt, daß er zu laut ist.
Jetzt weck ich auch noch die ganze neugierige Nachbarschaft auf und die Kinder. .... die Kinder.... was soll ich ihnen sagen ?
„Tut mir leid, Janinchen, aber eine Zahnspange liegt leider nicht mehr drin.  Gewöhn dich an deine Zähne, so wie sie eben sind. „

Lisa, mein Schatz, du bist doch sicher nicht böse, wenn wir unsere Kreuzfahrt verschieben, bis wir sie uns wieder leisten können ?....      
Ich weiß, sie war für unseren Hochzeitstag, aber, tja, den müssen wir auch verschieben.

 Wie das geschehen ist ?  Was wir den Kindern sagen ?  
Ja,  ich hätt's  einfach sein lassen sollen.... wie die anderen auch....

Liebling, ich versuche dir zu erklären:  also, ich hatte eine Job, eine Auftrag. Ich sollte ein Interview machen, nur ein paar Sätze, mit dem Staatsanwalt.
Wir hatten keine Ahnung, durch welchen Ausgang er das Gerichtsgebäude verläßt.
Also hat sich Weber vor dem Haupteingang postiert, ich am Seiteneingang.  


Der Auftrag war meine Chance. Die Gelegenheit, auf die ich so lange gewartet habe.
Wenn Weber meinen Bericht gut gefunden hätte, wäre ich zur Nummer zwei in der Redaktion aufgestiegen.

Als ich so an der Tür lehne und warte, sehe ich sie die Straße herunterkommen, ..... eine Politesse....  sie stellt ein Strafzettel nach dem anderen aus und heftet ihn an die Windschutzscheibe.  Sie tat es perfekt.
Meine zwei Stunden waren gerade abgelaufen und in dem Moment stand sie auch schon bei meinem Wagen. Aber ich konnte ja nicht weg.  
Den anderen Kollegen gings genau so.  
Einer meinte nur, daß sie wahrscheinlich mehr für einen Strafzettel bekommt, als er für die Story.
Wir alle stimmten ihm zu und haben uns wieder auf das Gerichtsgebäude konzentriert.  
Im stillen hat jeder 40 Mark mehr auf die Spesenliste gesetzt.  

Und dann ist es passiert.
Ich glaube nicht, daß sie ihn gesehen hat.
Sie trat genau in dem Moment auf die Straße.  
Der Junge mit dem Motorrad fuhr direkt auf sie zu.
Der hat es wahrscheinlich mit der Angst zu tun bekommen, und fuhr einfach weiter, als wäre nichts passiert.
Die ganze Gruppe hat ihren Schrei gehört aber keiner von ihnen hat reagiert.
Ich war der Tür am nächsten von ihnen allen, weil ich schon seid zwei Stunden da war.  
Aber ich bin durch die Menge gestürmt und zu ihr gerannt.
Die Frau war mehr überrascht als verletzt.  
Nur ihre Knie und Ellbogen waren aufgeschürft.  
Die Strafzettel lagen verstreut auf der Straße.
Ich hab sie eingesammelt und ihr aufgeholfen.  
Dabei haben meine Kollegen zugesehen.

Plötzlich öffnete sich die Seitentüre des Gerichts.... alles was ich noch sah, waren dichtgedrängte Rücken, Bündel von Mikrophonen und Photoapparaten und gerade noch die Stirn und Haare des Staatsanwaltes.  
Mir blieb das Herz stehen.
Ich hab alles nur noch in Zeitlupe wahrgenommen.  

Und all die anderen Reporter ?  Tja, die bekamen, was sie haben wollten.... den Knüller.
Und die Politesse ? Na, vielleicht hat sie etwas von ihrem Stolz eingebüßt und ein wenig  Blut verloren.
Und ich ? Ich habe dagegen alles verloren.
Denkt nach.
Ich mußte es tun. Ich mußte ihr helfen.  Was sonst ?
Aber ich hätte  die Story gebraucht, um meinen Boß  glücklich zu machen.... Ich hätte mir seinen Wutausbruch und das Türenschlagen ersparen können.  Ich habe gesagt:  „ Tut mir leid, ich weiß, wie wichtig die Story für Sie  war“.  
Er denkt nach.
Aber was ich eigentlich hätte sagen sollen, war: „ Tut mir leid, aber ich habe die richtige Entscheidung getroffen“.
Pause, Er will das Haus betreten, dann dreht er sich noch einmal zum Publikum.

Wissen sie , ich habe ihr Gesicht gesehen.... die Tränen in ihren Augen....
ich weiß nicht einmal, ob sie sich überhaupt bedankt hat.  
Doch, hat sie....mit ihren Augen.....ja, mit ihren Augen....
ich hab die richtige Entscheidung getroffen.

Aber Gott, warum muß es so hart sein, die richtige Entscheidung zu treffen ?