Eva-Maria Admiral und Eric Wehrlin

Flugzeuggespräch        

                                                         

Zwei Flugpassagiere sitzen in einem Passagierflugzeug. Daniel, ein jüngerer Mann, etwas nervös, erst einmal geflogen und Bernd Hammer, ein Geschäftsmann, der oft fliegt, das ganze im Griff hat. Die beiden Männer kommen ins Gespräch, auch über geistliche Dinge, da der Geschäftsmann den jüngeren Mann beobachtet hat, wie er vor dem Essen ein Gebet gesprochen hat.....Der Geschäftsmann Bernd äußerst seine Skepsis gegenüber diesen Dingen, Gott, Glaube usw.

Plötzlich meldet der Kapitän über Lautsprecher den Ausfall eines Triebwerkes und kündet eine Notlandung an... Der Geschäftsmann gerät plötzlich in Panik, da die Dinge plötzlich außer Kontrolle geraten sind. Er bittet Gott um Hilfe und Schutz. Kurz darauf verkündigt der Kapitän die Behebung dieses Getriebeschadens an. Es läuft alles plötzlich wieder ganz normal weiter, als ob nichts geschehen wäre. Wir haben alles unter Kontrolle....

Requisiten 2 Flugzeugsessel, 1 Zeitschrift.

 

Themen:               Tod, Gottes Gegenwart, Glaube. Worauf kann ich mich verlassen?

Schauspieler:        2   Männliche Schauspieler, 1 Stimme des Kapitäns

Dauer (Min):           6       


mit Torsten Hebel und Eric Wehrln


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Flugzeuggespräch


Zwei Flugpassagiere sitzen in einem Passagierflugzeug. Daniel hat den Sitz beim Gang.

5 Sekunden nach Szenenbeginn erklingt die Stimme des Kapitäns über Lautsprecher:
Lautsprecher: Meine Damen und Herren, hier spricht der Kapitän.
Wir befinden uns im Landeanflug auf den Flughafen Rheinmain.
Bitte legen Sie Ihre Sicherheitsgurte an und stellen sie das rauchen ein.
Die Außentemperatur beträgt 5 Grad.
Auf ihrer rechten Seite können Sie die Skyline von Frankfurt sehen.

Daniel:     (versucht aus dem Fenster zu schauen)
Äh, entschuldigen Sie, darf ich mal einen Blick aus dem Fenster werfen?

Bernd:     Ja, kein Problem.

Daniel:     (lehnt sich über Bernd) Ich sehe nur Wolken... oder nein! Toll..
Wenn man neben dem Messeturm steht, sieht alles ganz anders aus....

Bernd:     (fühlt sich unwohl, weil Daniel halb über ihm liegt, seinen Arm auf der
Kopfstütze liegen hat und ihm vor dem Gesicht herumfuchtelt.)
Haben Sie jetzt genug gesehen?  

Daniel:     Entschuldigung

Bernd:     Ihr Aftershave paßt nicht zu meinem.

Daniel:     
Wie finden Sie eigentlich  Eintracht Frankfurt?     
(Bernd schaut ihn an, unbeweglicher Blick)
Kennen Sie das Lied "Über den Wolken" ? (Er beginnt zu singen)
(erneuter unbeweglichen Blick von Bernd) Na, egal...
(Pause) Sie fliegen wohl ziemlich viel, oder?

Bernd:     Ja, ziemlich.

Daniel:     Geschäftsreisen?

Bernd:     (etwas verärgert) Ja.

Daniel:     Ich habe auch versucht zu lesen, aber ich konnte mich einfach nicht
     konzentrieren. Ich bin erst einmal geflogen.

Bernd:     Ja, der Reiz des Neuen.

Daniel:     Das ist wohl eher Aufregung als der Reiz des Neuen.

Bernd:     Sie müssen sich wirklich keine Sorgen machen. Fliegen ist sehr sicher
- die Wahrscheinlichkeit, daß Sie einen Autounfall haben, ist viel höher als die, bei einem Flugzeugabsturz ums Leben zu kommen.

Daniel:    Oh, ich bin als Kind von einem Auto angefahren worden...

Bernd:     Oh, tut mir leid.

Daniel:     War nur ein Witz...

Bernd:     Seltsame Art von Humor.

Daniel :     Ich mache alles nur, um dieses mulmige Gefühl im Magen los zu werden.
(hält Bernd die Hand hin) Ich bin Daniel... Daniel Turnau.

Bernd:     Bernd Hammer. (Händeschütteln) Es gibt ja verschiedene Arten, mit seiner
Flugangst umzugehen. Sehen Sie den Mann da drüben? Seit München hatte er fünf Drinks - so bringt er den Flug 'rum. Einmal habe ich einen Mann gesehen, der den ganzen Flug über mit geschlossenen Augen im Schneidersitz dasaß und summte. Und manche Leute beten auch.

Daniel:     Beten?

Bernd:     Ja, so wie Sie vorhin.

Daniel:      Oh...Sie haben bemerkt, daß ich gebetet habe?

Bernd:     Ich nahm an, daß Sie sich nicht nur an den Augenbrauen gekratzt haben.

Daniel:     Ah, vor dem Essen, ja. Ich hätte nicht gedacht, daß es jemand merkt...

Bernd:     Egal. Sie müssen jedenfalls der Meinung sein, daß Gebet etwas hilft.
Also bekämpfen Sie so Ihre Flugangst.

Daniel:     Eigentlich habe ich nur für das Essen gebetet.

Bernd:     Hat es funktioniert?

Daniel:     Wie meinen Sie?

Bernd:     Hat es sich verwandelt?  Wurde es etwas schmackhafter?

Daniel:     Ich habe eigentlich nur dafür gedankt.  

Bernd:      Das ist ja ganz nett, aber ich bin da eher skeptisch.

Daniel:     Ich weiß, was Sie meinen, ich war früher auch so.

Bernd:     Und ich war so, wie Sie jetzt sind. Als ich jünger war,
habe ich das ganze Zeug auch geglaubt.

Daniel:     Wirklich?  

Bernd:     Ja, ich war auf einer katholischen Schule, das hat mich zu Glauben an Gott
gebracht. Aber als ich dann in die wirkliche Welt hinaus kam, hat er mir nichts mehr gebracht.

Daniel:     Vielleicht haben Sie zu früh aufgegeben?

Bernd:     Um Erfolg zu haben, braucht man einen scharfen Verstand, harte Arbeit
und eine gute Portion Glück.

Daniel:     Und sie haben nie Hilfe von Außen gebraucht?  

Bernd:     Hilfe?  Wenn ich ein Problem habe, dann finde ich auch eine Lösung.                Gott lenkt vielleicht das Universum, aber nicht mein Leben.

Daniel:     Ich denke, daß hängt davon ab, ob Sie es auch wollen....

Man hört plötzlich einen Schlag und  ev. ein kurzes Licht-Black.

Bernd:     Was war das?  

 (3 Sek. Pause) Lautsprecher: Meine Damen und Herren, hier spricht der Kapitän.
Wir haben  einen schweren Triebwerkschaden. Wir treffen sofort alle erforderlichen Maßnahmen. Zu Ihrer Beruhigung: unsere Maschine kann auch mit nur einem Triebwerk fliegen. Wir gehen deshalb von einer routinemäßigen Landung aus. Bitte legen Sie nun unbedingt ihre Sicherheitsgurte an und befolgen sie genau die Anweisungen des Bordpersonals.

Daniel.     Wow, haben Sie so etwas schon einmal miterlebt?
(schaut aus dem Fenster) Dieses Triebwerk scheint in Ordnung zu sein.



Bernd:     (Bernd ist erstarrt. Steif vor Angst, starrt vor sich hin.)
Ich habe mich mit meiner Frau gestritten.

Daniel:     Wie bitte?

Bernd:     Wir haben uns zerstritten, bevor ich auf diese Geschäftsreise gegangen bin.


Lautsprecher: meine Damen und Herren, wir haben soeben unsere dringende Notlandung beim Kontrollturm angekündigt. Wir befinden uns im Sinkflug.
Bitte bewahren sie nun Ruhe - wir werden in 3 Minuten Notlanden.

Bernd:     (mit zunehmender Panik) Ich will nicht sterben,
wenn ich noch nicht mit meiner Frau versöhnt bin

Daniel:     Ich glaube nicht, daß wir sterben werden.
Der Kapitän hat doch gesagt, daß wir auch nur mit einem...

Bernd:     Mein Sohn ist diesen Herbst in den Kindergarten gekommen.
Ich wollte so gern der Vater für Ihn sein, den ich nie gehabt habe.
Jetzt werde ich das nicht mehr erleben.

Daniel:     Ich denke, daß alles gut werden wird.

Bernd:     Wie können Sie so sicher sein? (gerät in Panik) Wo ist der Schleudersitz?
Wir stürzen ab.

Daniel:     Herr Hammer, das ist ein Passagierflugzeug

Bernd:     Ich will nicht sterben

Daniel:     (weiß nicht, was er sonst tun soll.) Ich bete einfach für uns, ja?
(Bernd schaut weiter starr geradeaus. Daniel neigt seinen Kopf)

Bernd:     (schaut auf Daniel, sieht, daß er betet, überlegt eine Sekunde
und fällt dann voller Dramatik auf seine Knie)
Oh, lieber Gott im Himmel, ich bin ein schlechter Mensch!

Daniel:     Reißen Sie sich zusammen...






Bernd:     Bitte laß mich nicht in diesem Flugzeug sterben. Ich werde alles tun.
Ich werde überallhin gehen. Ich werde Missionar werden und nur einen Lendenschurz tragen. Bring uns nur gesund hier runter, Oh, hilf mir, hilf mir, hilf mir, hilf mir, hIlf mir...

Daniel:     Setzen Sie sich ruhig wieder auf ihren Sitz, So. (hilft ihm, sich hinzusetzen)

Bernd:     (wie im Delirium) Ich glaube an Gott, ich glaube an Gott, ich glaube an Gott,
ich glaube, ich glaube. ich glaube ich glaube...

Lautsprecher: Meine Damen und Herren, ich habe gute Nachrichten. Wir konnten das ausgefallene Triebwerk wieder zum Laufen bringen und fliegen jetzt wieder mit zwei Triebwerken. Wir werden in Kürze   planmäßig  landen.
Es tut uns leid, wenn wir Ihnen Unannehmlichkeiten bereitet haben, aber jetzt haben wir  wieder alles unter Kontrolle.

Bernd:     (sammelt sich wieder)
So, was ist jetzt mit  Eintracht?


Licht blendet aus