Eva-Maria Admiral und Eric Wehrlin

Getrieben

 

Man sieht ein Ehepaar, das in einem Auto sitzt und zu einer Firmenfeier fährt. Der Mann wird für seien Verkaufserfolge geehrt. Er ist ein getriebener, erfolgreicher 40 - jähriger Mann. Für ihn zählt sein Beruf, sein Erfolg. Seine Frau fühlt sich seit Jahren vernachlässigt und hofft seit Monaten auf ein klärendes Gespräch mit ihrem Mann. Nach einem spannungsgeladenen Schlagabtausch steigt die Ehefrau verbittert aus dem Wagen, lässt den Mann frustriert und alleine zurück....

 

Themen:               Lebens - Prioritäten, Karriere, Beziehungen Was könnte noch helfen? Wo ist ein Weg aus der Krise? 

Schauspieler:       2

Dauer (Min):          5      


Text kostenlos runterladen:
Getrieben


(Ein Paar fährt im Auto, festlich gekleidet für eine Firmenfeier)


David:     (Blick auf seine Uhr) In welcher Richtung liegt es?

Nadine:      Das steht hier nicht.

David:        Was heißt das?

Nadine:     Hier steht nur ''Hauptstraße 218".

David:     Ja, aber welche Richtung?

Nadine:     Hier steht nur Hauptstraße 2...

David:     Egal. Ich werd's schon finden.
Sie hätten wenigstens eine vernünftige Wegbeschreibung mitgeben können.
Hausnummern haben in dieser Stadt überhaupt nichts zu sagen

Nadine:     Warum halten wir nicht an der Tankstelle und fragen?

David:     Nein, ich werde es finden....

Nadine:     Wir könnten uns helfen lassen...
Sind wir nicht schon einmal bei dieser Leichenhalle vorbeigefahren.?....

David:     Nein.

Nadine:     Komisch. Ich hätte schwören können. Ich erinnere mich an diese große schwarze
Fahne -  Ich dachte immer, das sei ein Zeichen für eine Leichenhalle.

David:     Nadine, ich weiß, wohin ich fahre. Versucht du damit anzudeuten, daß ich im Kreis herum fahre?

Nadine:     Ich versuche gar nichts anzudeuten.

David:     Außerdem, es gibt in dieser Stadt viele Leichenhallen. Du irrst dich, wie immer.  

Nadine:     (Pause) Ich will mich nicht streiten... Könntest du vielleicht etwas freundlicher sein?  
Ich meine, wir gehen zu Deiner  Firmenfeier , wo du  für deine Verdienste geehrt     wirst..  Das sollte dich etwas fröhlicher machen.

David:     Ich bin fröhlich. Ich habe hart dafür gearbeitet,
und ich bin sehr fröhlich... Ich wünschte nur, daß ich das auch von den anderen Mitgliedern dieser Familie sagen könnte....

Nadine:     Wie bitte ?

David:     Du weißt genau, was ich meine... Ich werde in meiner Firma bereits das  dritte Jahr  
als bester Verkäufer ausgezeichnet, und die Leute meiner Firma freuen sich darüber mehr als meine eigene Familie.

Nadine:     Das stimmt nicht!

David:      Aber du tust so,  als ob es anstrengend wäre.
Wenn du keine Lust darauf hast, warum sagst du es nicht einfach?
  Pause.  
Was ist denn mit dieser Ampel los?  Das dauert ja ewig.

Nadine:     (zögernd) Weil ich Angst vor dir habe.

David:     Hä?

Nadine.     Weil ich Angst vor dir habe.

David:     Bitte, wovon sprichst du eigentlich?

Nadine:     Ich habe dir nicht gesagt, daß ich auf diesen Abend keine Lust habe, weil ich
Angst davor hatte. Genauso wie ich jetzt Angst davor habe, dir zu sagen, daß wir gerade schon wieder an der Leichenhalle mit der schwarzen Fahne vorbeigefahren sind. Ich habe Angst davor, dir etwas zu sagen, was du nicht hören willst. Ich habe Angst vor dir, vor dem Menschen, zu dem du geworden bist. (abschätzige Reaktion von D., macht sie damit lächerlich, ) Bleib stehen - Ich will aussteigen!

David:     Nadine, beruhige dich!

Nadine:     Nein, ich beruhige mich nicht!  Bleib stehen  oder ich springe aus dem
fahrenden Auto (David hält an und drückt auf den Knopf der Zentralverriegelung)  

•    Man hört das Geräusch der Zentralverriegelung.

Nadine:    Mach sofort die Tür  auf

David:     Nadine... Was ist denn los mit dir?  

Nadine:     Mach die Tür auf oder ich schreie

David:     Du schreist jetzt schon.  Ich stelle eine einfache Frage, und du wirst total hysterisch.
Ist das nicht etwas, was man in den Wechseljahren hat? Ich glaube, du bist noch etwas zu jung dafür





Nadine:     (Schaut ihn an, schüttelt den Kopf, weint eine Zeitlang, fängt sich dann wieder so,
daß sie sprechen kann.) Ja, ja. der Wechsel im Lauf der Jahre ...... aber nicht mein Wechsel, sondern deiner,  David. Früher, vor zehn Jahren, wenn ich da Kopfschmerzen hatte, dann hast du meine Stirn geküßt.
Und wenn wir ein Problem hatten, haben wir sogar gemeinsam gebetet....
Ich habe das geliebt, weil es mir gezeigt hat, daß du dich um mich kümmerst.

David:     (sarkastisch) Ich habe mich also nicht genug um dich gekümmert, das ist es also...  

Nadine:     Hör dir doch nur zu. dieser Sarkasmus, dein Zorn (Wut)  - es hört nicht auf. Was ist                                                                         mit dir passiert? Du bist zu dieser kalten Maschine geworden, nur vom Erfolg getrieben. Du bist nur darauf aus zu beweisen, daß du von niemandem Hilfe brauchst. Dir geht es nur darum zu verkaufen, egal um welchen Preis, zu gewinnen, egal um welchen Preis. Wem willst du damit   imponieren? Sicher nicht mir. Deinem Vater?

David:     Nadine, er ist tot.

Nadine:     Aber er ist derjenige, der dich davon überzeugt hat, daß du Erfolg haben mußt,.
 daß Lehrer kein einträglicher Beruf ist, daß du diesen Beruf aufgeben sollst.
Aber du warst ein guter Lehrer. Und du hast gerne unterrichtet.

David:     Warum sprichst du  jetzt davon?

Nadine:     Weil wir damals glücklicher waren.

David:     Wir waren arm.

Nadine:     Wir waren glücklich.

David:     Nadine, tu nicht so, als ob damals alles so toll gewesen wäre. Du hättest kein Auto,
kein Haus, wenn ich nicht dafür gearbeitet hätte, erinnerst du dich nicht? Nein, damals waren wir bestimmt nicht auf Rosen gebettet.

Nadine:     Ich erinnere mich an einen Mann, dessen Augen leuchteten, wenn er von seinen
Schülern sprach. Wir hatten nicht viel Geld, aber wir hatten einander.  (Sie weint)

David:     Dein Timing ist absolut perfekt. Ich bin auf dem Weg zu meiner Auszeichnung, und du reißt
mich in Fetzen. Könntest wir  jetzt nicht wenigstens zu dieser Firmenfeier gehen, und so tun, als ob wir glücklich wären.  Über die Vergangenheit reden wir später.














Nadine:     Es geht nicht  um die Vergangenheit, David. Es geht darum, wie du heute bist, Du
willst dich immer noch vor deinem Vater beweisen und reißt dich dabei selbst in Fetzen. Dein ständiges Beweisen - müssen, daß Du von niemandem Hilfe brauchst. Ich kann mir das nicht mehr länger ansehen. . Das, was aus uns geworden ist, ich kann's nicht mehr länger ertragen.

(Pause,  David öffnet die Zentralverriegelung an seiner Türe
•    Man hört die Türverriegelung, Nadine  öffnet die Tür steigt aus dem Auto aus)

David:     (faßt nach ihrem Arm) Nadine,..

Nadine:     (sie zieht ihren Arm weg) Nein, David. Ich kann den David von früher
nicht zurückholen Leb wohl.


(Sie steigt aus dem Auto aus, schlägt die Tür zu
•    Zuschlagen der Autotür.  Sie geht weg. David, jetzt völlig verzweifelt, halt einen Moment inne,
schaut ihr nach, legt dann den Kopf auf's Lenkrad, dadurch hört man eine
•    Autohupe lange,  während das Licht langsam ausgeht



Requisiten:
2 Stühle oder Autositze, Einladung,
2 Kostüme Regenmäntel Mann mit Hemd, Kravatte, Schwarze Schuhe und Hose
Mann mit Brille
Geräusche: Alukoffer &Gegenstand, Kassette mit Autohupe, Kassettenrecorder für Autohupe

Spielzeit  5: 45  Minuten