Eva-Maria Admiral und Eric Wehrlin


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Große Erwartungen



Katharina und Daniela auf Couch im Wohnzimmer,
Geschenk.- verpackte Schachtel, Geschenkpapier, Strampelhose
eine Couch, mit schönem Überwurf  darüber

K    Unser erstes Geschenk. Das ist wirklich sehr nett von dir.
D    Hör mal, das ist doch das Mindeste.
K    (Strampelhose)  Schau Dir das an. Ist das nicht wunderschön ?
D    Ich hab mich sofort in das Ding verliebt.
K    Kannst du dir vorstellen, daß etwas so klein sein kann?  Ich hoffe nur,
    ich weiß, was ich zu tun habe, wenn ich es bekomme.
D    Es ?
K    Ich meine natürlich ihn. Ihn !  Oh, Deby, ich kanns kaum glauben, daß es endlich
    war wird.
D    Du hast lange darauf gewartet.
K    Es kommt mir wie ein halbes Leben vor. Nach all dem, was wir mitgemacht haben,     sind unsere Gebete endlich erhört worden.
D    Ich an deiner Stelle hätte schon lange die Flinte ins Korn geworfen.
K    Es hab genügend Rückschläge und Zweifel. Aber ich hab mir immer wider gesagt,     "Eines Tages...."
D    Und dieser Tag ist Wirklichkeit geworden.  Oh, Kathi, ich freu mich so für dich.         Und nicht nur darüber, daß endlich Schluß ist mit dem ständigen Aufsuchen
    irgendeiner Agentur oder eines Arztes.
K    (spaßhaft) Es hatte auch sein Gutes. An meinem Körper gibt es kein Fleckchen,     das nicht mindestens von einem Spezialisten unter die Lupe genommen worden ist.    Nach einiger Zeit habe ich nicht einmal mehr nach ihrem Namen gefragt, sondern    nur noch gesagt: "Hier bin ich, nehmen sie mich. "   (lachen)
D    Und schließlich hast du den Anruf bekommen.
K    Zuerst konnte ich es gar nicht glauben. Es war fast wie ein Schock. Ich bin die         ganze Nacht wachgelegen, nur um mir klar zu machen, daß es kein Traum war.     (bewegt) Und es war wirklich keiner. Der Anruf kam tatsächlich. Es ist für mich         heute noch wie ein Wunder.
D    Wie ist es deinem Mann nur möglich immer noch in der Arbeit zu stecken,         wo er doch weiß, daß er in weniger als drei Stunden Vater wird ?
K    Ich weiß nicht, aber eigentlich bin ich ganz froh, daß er dort ist und nicht hier.         Wir würden uns nur gegenseitig verrückt machen.
D    Habt ihr schon einen Namen ausgesucht ?
K    Oh ja, Jakob soll er heißen.
D    Gefällt mir, Klingt stark.
K    Find ich auch.


G    (Gregor kommt lächelnd herein, sieht aber nicht glücklich aus)   Hallo !
K    Hallo, Liebling. Ich meine natürlich Papa. Du hast es wohl nicht mehr ausgehalten,     was ?
G    (nüchtern)  Nein.
D    Gratuliere, Gregor. Ich kann euch gar nicht sagen, wie ich mich für euch freue.
G    Danke.
K    Schau mal, was sie für unseren kleinen Jakob mitgebracht hat.
    Sieht das nicht niedlich aus ?
G    Hm. Ja, sehr. (verlegen)  Ah, Deborah, sei doch so nett, wenns dir nichts
    ausmacht, aber ich müßte mit Kathi einen Moment alleine sprechen.
D    Natürlich. Ich wollte sowieso gerade gehen.
K    Ich glaube, neben mir steht ein ziemlich aufgeregter Vater, was meinst du?
D    Der Meinung bin ich auch.  (sie umarmt die beiden)  
    Ach, ich freue mich so für euch.
K    Wir sehen uns dann morgen.
D    Darauf kannst du Gift nehmen. Ich bin viel zu neugierig.  (geht ab)
K    Tschüß.       Sie ist einfach eine großartige Freundin.
G    Ja, sie ist was ganz Besonderes.  (weiß nicht wie anfangen)
    Liebling, bitte setz dich. Ich muß mit dir über etwas sprechen.
K    (Heiter)   Oho, das klingt ja sehr ernst.
G    Es geht um unser Baby.
K    (Heiter)   Gregor, ich weiß doch was du sagen willst.
G    Ich glaube nicht.
K    Ich weiß, daß ich seit dem Anruf nur noch unser Baby im Kopf habe, aber das wird     sich ändern.  Ich verspreche Dir, aus mir wird keine Mutter, die ihr ganzes Leben
    ihrem Kind unterordnet. Nur momentan kann ich einfach an nichts anderes denken.
    Ich bin so überglücklich, daß unser Traum endlich in Erfüllung gegangen ist.
G    Kathi, unser Rechtsanwalt hat mich vor einigen Minuten im Büro angerufen.
    Das Mädchen hat sich entschieden, das Baby zu behalten.
K    (schockiert)   Was ?
G    Sie hat ihre Meinung geändert.
K    Aber das kann sie nicht. Sie hat den Vertrag unterschrieben.
G    Sie hat bis drei Tage nach der Geburt Zeit, ihre Zusage rückgängig zu machen.
K    Aber das kann sie nicht !  Sie hat es uns versprochen.
G    Katharina, sie kann das tun und sie hat es getan.  Mit dieser Möglichkeit mußten
    wir rechnen.
K    (Telephonbuch)  Wo ist die Nummer von unserem Anwalt.  Der muß doch
    was dagegen unternehmen können.
G    Ich hab darüber schon mit ihm gesprochen, aber es ist nichts zu machen.
K    Was soll das heißen ? Du kannst nichts machen und er kann nichts machen ?
G    Nichts ! Es ist bereits alles erledigt. Bitte...
    (Er will sie umarmen, sie stößt ihn weg)
K     Ich glaub das einfach nicht.  Es war alles abgesprochen. Wir hatten ein Baby.
    In knapp drei Stunden wäre er unser Sohn. Es ist unser Sohn.
G    (versucht zu beruhigen)  Es gibt andere Babyes .
K    Andere Babies ?  Ich will kein anderes. Ich will unser Baby.
G    Aber wir bekommen es nicht.
K    Ich halte das nicht mehr aus. Was verlangt er denn noch von uns ?
G    Wer ?
K    Gott,  wer sonst.
G    Liebling, ich glaube nicht, daß es sein Fehler ist.
K    Wer ist denn sonst daran Schuld ? Neun Jahre habe ich um ein Kind gebetet.
    Hab ich eins bekommen ? Nein, mein Körper blieb unfruchtbar.
    Und die einzige Meldung all der Agenturen war,  "Wir haben leider nichts für sie"
    Und jetzt, so kurz vorm Ziel....
    Ich kann nicht mehr.
G    Katharina....
K    (weicht ihm aus) Laß mich alleine. ( G. geht zur Couch und verpackt die Kleidung)                           Was  machst du da ?
G    Ich pack das weg, Wir geben´s  zurück.
K    Wie kannst Du nur an so etwas denken ?
G    Woran willst zu, daß ich jetzt denke ?
K    An  unser Baby
G    Wir haben kein Baby.  
K    Sei still ! Sei bloß still ! Ich will das nicht hören. Ich will davon nichts mehr hören.
G    Liebling, bitte. ( will sie wieder in Arm nehmen)
K     (wehrt sich) Ich will das nicht.  Ich hasse dieses Mädchen.  Ich hasse dich.
    Ich hasse mich.  Ich hasse Gott. Ich hasse alle, alle, alle, alle, ..
    (sinkt weinend in seinen Arm)
G    (Pause) Komm, wir setzen uns.    (setzen sich)
K    Oh, Gregor, warum waren unsere Gebete umsonst ? Warum hört uns Gott nicht?
    Haben wir so viel in unserem Leben gesündigt ? Machen wir irgend etwas falsch?
    Wie lange müssen wir denn noch beten?
G    (niedergeschlagen)   Solange, wie es eben dauert.
K    Aber mein Glaube ist erschöpft. Ich bin völlig leer.
    Was sollen wir den jetzt tun?
G    Keine Ahnung....(konzentriert) Wir beten weiter...
    Wir versuchen es weiter. (umarmt sie)
    Wir werden es weiter versuchen.

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