Eva-Maria Admiral und Eric Wehrlin

Ich will nicht länger kämpfen

 

Dieser Monolog gibt eine Unterhaltung zwischen einer Frau und Gott wieder. Die Frau beschreibt, ihre Probleme, Gott zu gehorchen. Sie ist der Ansicht, dass er viel von Ihr verlangt.  - zu viel -, und erinnert sich daran, dass sie selbst keinen wirklich liebenden Vater in ihrem Leben hatte. Sie fühlte dich satt dessen kontrolliert und eingeengt - doch sie spürt, dass sie eine Entscheidung treffen muss.

 

Themen:     Gottesbild, Vaterbild, Eigene Leistung 

Schauspieler:        1

Dauer (Min)            6       

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Ich will nicht länger gegen dich kämpfen

Requisite: Tisch Stuhl Tischtuch Thermoskanne mit Tee, Tasse  
    
Kostüm :T- Shirt Jeans Zopf - Haarteil ?  Lippenstift Kajal Turnschuhe Ohrringe °°        
        flott, geschminkt


Das Leben war soviel einfacher bevor ich dich getroffen habe.
Ich bin aufgestanden , habe gefrühstückt, alles erledigt, was es an dem Tag zu tun gab, Abendessen gegessen ,  Fernseher angestellt,  und bin  ins Bett gegangen.
Ich konnte alles rechtfertigen. Ich konnte mich bis spät in die Nacht in ein Lokal setzen und mit Leuten reden. .....wie damals , in Rom.....
oder ich konnte ohne schlechtes Gewissen meine Mittagspause verlängern - auf Kosten der Firma. Und wenn mich jemand dumm angeredet hat, habe ich ihn mit ein paar ausgewählten Worten bedacht. Das weiß doch schließlich jeder, daß es nicht gut ist seinen Ärger in sich reinzufressen.
 Ich bin einfach so durchs Leben gesegelt , bis Du gekommen  bist und alles durcheinander gebracht hast.
(Pause)
Dabei hat doch alles so harmlos angefangen - du wolltest mich von meiner  Schuld befreien und mich zu dir in den Himmel kommen lassen. Ja, ich weiß das zu schätzen .Aber jetzt willst Du auch noch mitbestimmen.......... ,willst “ mitreden“ , bevor ich überhaupt bereit dazu bin.

 Du sagst , daß Du da ein paar Richtlinien hast, nach denen ich leben soll.  Also ich kann ja verstehen , wenn Du damit einer armen , verlorenen Seele helfen willst, die mit  ihrem Latein am Ende ist,  aber hör doch auf...du kennst doch mein Leben ...es ist alles in Ordnung . Ich habe alles im Griff , jedenfalls fast alles .
Warum machst du es so kompliziert und willst mir vorschreiben, was ich zu tun und zu lassen habe? Habe ich denn wirklich alles so schlecht gemacht? Wirklich?

(Pause)
Außerdem, wenn du mich wirklich verstehen würdest, ( ev. gestrichen:  würdest Du niemals von mir verlangen , daß).........
du warst dabei, wie ich aufgewachsen bin. Du weißt , wie schwer es für mich war , meinen Vater zu achten und ihm zu gehorchen.
 Ich habe mir soviel Mühe gegeben , ihm zu gefallen....habe alles mögliche versucht, um ihn glücklich zu machen.
Ich weiß noch wie ich ein kleines Kind war, wie ich es geliebt habe ihm seine Hausschuhe zu holen oder ihm seinen Kaffee zu bringen. Ich kam mir so erwachsen vor. Ich war Papas große Assistentin. Klar, so war es nur , wenn ich lieb war. Wenn ich lieb war, dann war ich sehr lieb. Wenn ich böse war, dann war ich unausstehlich. Jedenfalls hat man es mir so erzählt.
Aber als ich älter wurde fiel mir auf, daß es nicht immer nur hieß: " Liebes, würdest Du bitte deinem Papa eine Tasse Kaffee bringen?", sondern es hieß:" Los bring mir mal eine Tasse Kaffe , aber schnell. Und überhaupt, warum kannst du dich nicht mal etwas geschickter anstellen?  Und hör doch auf , dich immer soviel zu schminken, das sieht billig aus. Warum kannst du eigentlich nicht mehr so sein wie Tanja?"
 Tanja ...Ich muß wohl nicht dazu sagen, daß er hohe Ansprüche hatte.... Ja, wir waren alle Papas Marionetten.  Er hat immer alles bestimmt. Und jetzt willst du bestimmen.  Jetzt kann ich dich schon fast sagen hören:" Los, bring mir mal eine Tasse Kaffee , aber schnell."
(Pause)
 ( eventuell gestrichen : Weißt du, du machst mir echt Angst. Du verlangst ganz schön viel von mir.
Du willst, daß ich mich dir ganz ausliefere. Aber ich will nicht wieder eine Marionette sein - das wirst du doch wohl verstehen können.)
Ich weiß, ich weiß, du behauptest daß du mich mehr liebst, als mich je ein irdischer Vater lieben könnte. Aber ich habe nun mal kein irdisches Beispiel dafür, was himmlische Liebe ist. ( weint )  .... und deshalb kämpfe ich gegen dich, um dich in sicherer Entfernung zu halten.... und ich kämpfe mit mir   selbst, weil ich die Kontrolle nicht darüber verlieren will, wer ich bin und was ich will und was ich tue......und deshalb kämpfe ich und ich kämpfe und ich kämpfe......
( Pause)
 Oh Gott, ich habe das Kämpfen  so satt. Ich habe es so satt  zu kämpfen , um die Kontrolle über mein Leben zu behalten.
Irgendwie muß ich diese Angst vor dir überwinden.
Irgendwie muß ich ein anderes Bild von dir bekommen. Irgendwie muß ich sehen, wie du deine Hände zu mir ausstreckst, um mir etwas zu geben und nicht um mir etwas wegzunehmen. Irgendwie muß ich hören, wie du zu mir sagst:" Liebes, danke für den Kaffee. Komm und setz dich zu mir. Du bist mein Schatz."
Das Leben war soviel einfacher, bevor ich dich getroffen habe....