Eva-Maria Admiral und Eric Wehrlin

Jemand muss es tun              

 

In einem Wohnzimmer. Paul und Sara sitzen auf der Couch und lesen Zeitung. Sie sind beide ca. 30 Jahre alt.  

Irgendwie ist das Gerücht entstanden, man muss leiden um Gott zu dienen - oder es zählt nicht. Aus diesem Grund weigert sich Paul mit dem Bezirksvorsteher zu telephonieren, da er erwartet, dass diesen ihm eine unangenehme Aufgabe überträgt. Zu seiner Überraschung entdeckt er ein neues Wort im Zusammenhang mit seinen Prioritäten: Freude!

 

Themen:      Wege im Wirrwarr, Gaben, dienen, Gott dienen - eine Qual.

Schauspieler:       2       

Dauer (Min):          7  

 

 


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JEMAND MUSS ES TUN

In einem Wohnzimmer. Paul und Sarah sitzen auf der Couch und lesen Zeitung.  



Sarah:     (Ist mit ihrem Teil fertig) Bist du mit der Titelseite fertig?

Paul:         Hä?

Sarah:     Ob du mit der Titelseite fertig bist?

Paul:         Nein, ich hab' sie noch gar nicht gefunden. Das heißt, wie spät ist es eigentlich?

Sarah:     Fast halb acht.

Paul:         Dann fängt gleich das Spiel an. Ich meine, ich hol' uns was zu Essen
                
•    Das Telefon klingelt:   
 
Paul:         (Sarah will abheben. Paul geht dazwischen.)      Nein!

Sarah:     (Erschrocken) Was? Was hast du denn?

Paul:         Geh nicht ran.

Sarah:     Warum denn nicht?

Paul:         Weil... wir nicht unterbrochen werden wollen.

Sarah:     Ich habe gar nicht bemerkt, daß wir etwas sehr Aufregendes  vorhaben.

Paul:         Ja.. wir sind doch gerade dabei, auszugehen.

Sarah:     Ausgehen? Ich dachte, du wolltest das Spiel sehen?

Paul:         Nein, jetzt.. ich hab's mir anders überlegt.

Sarah:     Wie bitte?

Paul:         Ja,.... Ich hab' gerade so ein romantisches Gefühl und.....

•    Das Telefon hört auf zu  klingeln.

Sarah:     Du kannst dich setzen. Das geht vorüber. Ich hol' uns was zu Essen.
(Sarah rollt ihre Augen und geht in die Küche und wirft ihm  einen fragenden Blick zu)

Paul:         Ja.....(Paul lächelt, bis sie abgegangen ist, dann wird er nervös. Er schaut auf das Telephon)
Ich muß hier weg. (Er will weggehen)     
Wo sind denn meine Schuhe?  Ich muß ganz schnell los. (Er zieht sie an.)
Warum hab' ich ihm nur gesagt, daß ich zu Hause bin?  Ich hätte ja auch Überstunden
machen können. Und er wird keine Ruhe geben, bis er mich erreicht hat.

Sarah:     (Sie kommt mit Chips und Popcorn zurück) Wo willst du denn hin?

Paul:         Ich, Oh,  .... ich geh' Joggen.

Sarah:     Seit wann denn das?

Paul:         Ja, ich wollte..... es ist nie zu spät, damit anzufangen.

•    Das Telefon klingelt wieder.     

Paul:        Nein!!!  (Sarah hebt ab, bevor Paul sie aufhalten kann) Das Telefon hört auf zu  klingeln
Sarah:     Hallo! (brüllt ins Telephon - dann erleichtert)  Oh, Herr Ropper, der Bezirksvorsteher.
Nein, Nein, alles in Ordnung. Ich hab' nur gerade  einen anderen  Anruf
erwartet. Ja. Nein, Nein gar nicht.  Wir wollten uns nur das Spiel ansehen. Ja, Moment...
(Er versteckt sich hinter der Couch.) Paul?  Paul? Paul!
(Etwas verwirrt) Lustig. Gerade war er noch hier. Wahrscheinlich ist er
Joggen gegangen. Nein nein er joggt nicht Aber es ist nie zu spät anzufangen. Ja, er wird sie zurückrufen. Heute noch  Natürlich, Danke,  Wiederhören.

Paul:         (Kommt hinter der Couch hervor) Hier, Ich hab' sie gefunden!

Sarah:     (Verwirrt) Da bist du ja. Was hast du gefunden?

Paul:         (eingeschüchtert) Die Titelseite... Die wolltest du doch haben, oder?

Sarah:     Paul.......was geht hier vor?

Paul:         Das Spiel, das Spiel fängt an!

Sarah:     (Sie nimmt die Fernbedienung) Erst sagst du mir, was los ist.

Paul:         (Bittend) Sarah!

Sarah:     Paul! (Sie verschränkt ihre Arme)

Paul:        Sarah!

Sarah         Paul !

Paul:         (Frustriert) Ach, ich will nicht mit dem Bezirksvorsteher sprechen.
 
Sarah:     Und warum nicht?

Paul:         (Ärgerlich) Weil er will, daß ich mit diesen Wilden arbeite!

Sarah:     Mit welchen Wilden?

Paul:         Mit der Pfadfindergruppe.

Sarah:     Du meinst, er will, daß du sie leitest?

Paul:         Ja!

Sarah:     Und wo liegt das Problem?

Paul:         Das ist zu gefährlich. Das ist das Problem.

Sarah:     Du hast Angst vor Zwölfjährigen?

Paul:         Ich hab' Angst, daß ich einen nach dem anderen umbringen werde.

Sarah:        Hör auf, Blödsinn zu reden.

Paul:         Sarah, ich kann Kinder nun mal nicht ausstehen.

Sarah:     Natürlich. Warum sonst hat dich der Bezirksvorsteher dafür  ausgewählt?

Paul:         Hä?

Sarah:     Nimm dein Kreuz auf dich, deine Last ist schwer ..

Paul:         Weil ich die Arbeit hasse, soll ich sie tun?

Sarah :    Genau.

Paul:         Warum kann ich nicht das machen, was ich gerne mache?

Sarah:     Weil das Leben kein Spielplatz ist.
Wenn Gott wollte, daß wir nur das machen, was wir gerne machen , dann  würde er uns nicht auffordern, mitzumachen. Darum geht’s.

Paul:         Woher weißt du das ?

Sarah:     Das hab ich durch die Kirche gehört. Mein Vater wollte schon nirgends mitarbeiten
und mein Großvater  auch nicht. Aber sie haben es trotzdem gemacht eine ganze Generation unglücklicher Diener.

Paul:         Tja, warum sollen wir etwas tun, wenn wir es eigentlich hassen?

Sarah:      Weil wir an Gott glauben.

Paul:         Aah, und warum darfst Du etwas, was Du gerne machst - deine Krankenbesuche und so?
          
Sarah:     Wer sagt, daß ich das immer gerne mache?

Paul:         Weil, du gehst doch immer singend aus dem Haus?

Sarah:     Natürlich. Die anderen müssen ja nicht unbedingt merken, daß man es
             eigentlich nicht immer gerne tut.  Und jetzt ruf bitte den Bezirksvorsteher zurück.
                 (Sie gibt ihm das Telefon)

Paul:         (Verzweifelt) Sarah.....

Sarah:     Paul, setz ein glückliches Gesicht auf.
(Paul versucht zu grinsen.) Du wirst sehen -
Viel besser, glaub mir, während du sprichst, werden im Himmel für dich Belohnungen vorbereitet.
                Also, ruf ihn jetzt an und sag ihm , daß du es gerne tust  (Sie  wählt Er nimmt den Hörer.)

Paul:          Hallo, Herr Bezirkssportsteher äh Herr Bezirksvorsteher, hier ist Paul.... Richtig... Ja, ich war nur kurz draußen und....

Sarah:     Lüg ihn nicht an. (Paul ist durch Zwischenruf etwas irritiert)

Paul:         Ja, ... ich mach' das, Was?......... Klar mach' ich das.
                 Wirklich! ........ Morgen abend? (Paul blickt Sarah an, sie nickt) Prima! .....
Danke für den Anruf..... Okay...... Auf Wiederhören. (Er hängt ein)

Sarah:     (Begeistert) Paul, du warst großartig. Du hast dich angehört,
             als wärst du von der Idee begeistert.

Paul:         Bin ich auch!

Sarah:     Wie bitte?  

Paul:         Er will, daß ich male!

Sarah:     Malen?

Paul:         Ja, mit den Pfadfindern. Das Bühnenbild für Ihr Theaterstück.
                 Und das kann ich machen, ohne dabei jemanden zu killen.

Sarah:     Ja , aber........

Paul:         Und über diese Arbeit freue ich mich sogar. Ich schau' gleich mal nach meinem Malzeug.

Sarah:     Ja , aber  was ist mit seiner Last auf sich nehmen und sein Kreuz tragen?

Paul:         Da erinnerst du mich an was. Ich wollte doch den Mist runter tragen.......

Sarah:     Aber......  wenn es nicht weh tut, dann zählt es doch nicht - oder?

Sie blickt ins Publikum......


Das Licht blendet langsam aus.


Requisitenliste:
Zeitung, Titelseite, Couch, Telephon. Schuhe unter Couch, Fernbedienung,
Paul: Uhr,
Sarah: Uhr, Chips, Popkorn,