Eva-Maria Admiral und Eric Wehrlin

Nichts ist Umsonst

 

Nancy ist so stark von ihren Bedürfnissen besessen, niemandem etwas schuldig zu bleiben, dass sie über alles, was sie oder ihr Mann bekommen, Buch führt. Sie ist der festen Überzeugung, dass niemand etwa gibt, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Als Blumen von einem anonymen Absender abgegeben werden, fühlt sich Nancy getrieben, den Floristen anzurufen, um herauszufinden, wem sie nun etwas schuldet. Als ihr Ehemann gesteht, dass er ihr die Blumen geschickt hat, einfach weil er sie liebt, zeigt sich, dass sie selbst in dieser intimen Beziehung nicht über ihren Schatten springen kann.

 

Themen:       Gnade, Geschenk annehmen. Liebe ohne Hintergedanken,

                       Überrascht von Gott, Überrascht von Gottes Liebe.  

Schauspieler:       1  Mann, 1 Frau.

Dauer:                     ca. 7 Min.



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Nichts ist umsonst


Peter sitzt im Wohnzimmer und bügelt Wäsche. Beate kommt mit Unterlagen herein, zur Planung einer großen Feier.
Beate:     Ach, Peter.
Peter:     Hm?
Beate:     Bist du gerade sehr beschäftigt?
Peter:     Kommt drauf an.
Beate:     Ich hab eine Idee- wir könnten an deinen Geburtstag eine große Geburttagsfeier veranstalten.
Peter:     (Konzentriert sich auf seine Wäsche) Ich bin gerade sehr beschäftigt.
Beate:     (Auffordernd.) Peter!
Peter:     Das ist doch erst in zwei Monaten oder was...
Beate:     Eben- deshalb sollten wir  unbedingt jetzt anfangen zu planen
Peter:     Lass uns einmal essen gehen, einen ruhigen Abend im Restaurant, ......
Beate:     Nur wir beide?
Peter:     Kerzenlicht........oh, Verzeihung, ich war wohl für einen Moment nicht ganz bei Verstand.
Beate:     Nein, nicht deshalb, aber um ein großes Fest kommen wir diesmal nicht drum herum!!
Peter:     Warum?
Beate:     Warum? Weil ... (Versucht, es genau zu erklären.) Nimm zum Beispiel nur einmal die Müllers.  
     Ist dir bewußt, dass wir im vergangenen Jahr insgesamt sechsmal bei ihnen
    eingeladen waren?
Peter:     Aha?
Beate:     Siehst du, und bei uns waren sie nur viermal.
Peter:     Und?
Beate:     Wir schulden  ihnen also etwas.
Peter:     Ich glaube nicht, daß die Müllers Buch darüber führen.
Beate:     (Hat nicht zugehört.) Und darüber hinaus ruft mich Andrea mindestens einmal die Woche an.
Peter:     Und?  Ich dachte, du magst sie.
Beate:     Natürlich! Aber ich selbst ruf' kaum zurück.
Peter:     Na ja, das ist ... (Weiß nicht, was er sagen soll.)
Beate:     Und deshalb fühle ich mich schuldig. Ich will nicht, daß jemand so nett zu mir ist,
    wenn ich nicht so nett zu ihm bin.  .  
Peter:     Beate, du übertreibst.
Beate:     Überhaupt nicht. Du weißt doch, wie die Leute sind. Sie erinnern sich sehr genau an die Anzahl der Einladungen, an die mitgebrachten Geschenke, an die Anrufe ... Ich schwöre dir, wenn wir nicht bald anfangen, mitzuhalten, dann werden wir sie alle verlieren.
Peter:     Überleg doch mal, was du da sagst -  als ob wir uns unsere Freunde erkaufen müssten.
Beate:     Nicht erkaufen, nur mit ihnen gleichziehen oder  etwas drauflegen (Eindringlich)
Peter:      Deshalb müssen wir unbedingt ein großes Fest veranstalten.
    Um es den Müllers heimzuzahlen.
Beate:     Nicht nur den Müllers. Auch den Stockers, den Schodterers  und den Mincks.....
Peter:     Bitte, was schulden wir den Stockers?
Beate:     Peter, Bitte ! Aktiviere Deine Gehirnzellen! (Hans verbrennt sich leicht am Bügeleisen)
    Weißt du wirklich nicht mehr, was sie uns vor zwei Jahren
    zu Weihnachten geschenkt haben?
Peter:     Vor zwei Jahren ... ich Hohlkopf kann mich beim besten
    Willen nicht mehr daran erinnern.
Beate:     (Holt etwas  hervor.) So, dann zeige  ich es dir.
Peter:     Was ist denn das?
Beate:     Das ist eine Aufstellung, die genau auflistet, wer uns was in den
    letzten Jahren geschenkt hat und wie oft wir eingeladen waren.
Peter:     Alphabetisch geordnet.
Beate:     Und in Kategorien eingeteilt. Schau mal. In dieser Spalte stehen die Namen, wie oft wir eingeladen wurden und was es zum Essen gab. Und dann im letzten Abschnitt sind die Geschenke verzeichnet, die wir bekommen haben und bei welcher Gelegenheit. Auf der nächsten Seite sind unsere Einladungen aufgelistet, unsere Menüzusammenstellungen und
    die Geschenke, die sie von uns bekommen haben.
Peter:     Beate, das ist doch ........ Ich hab' noch nie gehört, daß irgend jemand so eine Liste     führt.
Beate:     Na gut, vielleicht nicht so. Aber ich garantiere dir, die Leute
    führen solche Listen in ihren Gedanken. (Vorwurfsvoll.) Peter, schau dir doch mal die ganzen Leerstellen in unserer Spalte an, im Vergleich mit all den anderen. Da, die Stockers: drei Einladungen mit Rippchen, Truthahn, Rinderfilet ... Weihnachtsgeschenk: der silberne Kerzenleuchter.
Peter    der silb....der Kerz...... der war abgrund hässlich
Beate    Na und ? Wir: nichts. Oder die Schodterers: Insgesamt sechs Mal, mit Grillfleisch, Kebab, Steak, Steak, Steak,... Geschenk: ein Trinkkelch aus Zink. Wir: einmal,  Hamburger, Weihnachtsgeschenk: Spielkarten. Das ist so was von peinlich
Peter:     (Ironisch.) Ich versteh dich nicht....
Beate:     Wie können wir es all diesen Menschen jemals zurückzahlen?
Peter:     Überhaupt nicht!
Beate:     Wie bitte?
Peter:     Beate, wenn uns jemand einlädt oder uns etwas schenkt, dann macht er das, weil er es gerne tut!
Beate:     Ach, Peter, werd' doch endlich erwachsen. Nichts wird ohne Gegenleistung gegeben. Nichts ist umsonst. Man ist  immer zu etwas verpflichtet. Deshalb hab ich mir eine Lösung überlege
Peter:     Dir einen Therapeuten zu suchen (Lacht.)
Beate:     Mir ist es sehr ernst!
 (Türklingel)
Beate:     Ich geh' schon. (Sie geht hinaus.)
Peter:        (Er sieht sich den Auszug an.) Kaum zu glauben. Ich mein', wer kümmert sich um so was?
                  Die Hälfte der Geschenke haben wir sowieso weiter geschenkt.
Beate:       (Kommt zurück.) ...Peter ...Stell Dir vor jemand hat mir, Blumen geschickt. Von wem die wohl sind?  »Für einen außergewöhnlichen Menschen«. Ohne Namen. Kein Name! .
Peter:     Ein heimlicher Verehrer..
Beate:     Da ist bestimmt was schief gelaufen. Ich ruf' gleich im Blumenladen an.
Peter:     Warum??
Beate:     Um herauszufinden, von wem die sind.
Peter:     Warum musst du das unbedingt wissen?
Beate:     Damit ich mich für das Geschenk  revanchieren kann
Peter:     Beate, jetzt bleib auf dem Boden! Jemand hat dir Blumen geschickt, ganz einfach.
    Blumen,  weil er dich mag. Weil er meint, du bist ein außergewöhnlicher Mensch!
    Blumen. Warum kannst du das nicht akzeptieren?
    (Pause ..)   (wir denken, daß sie es vielleicht kapiert hat.... aber dann:)
Beate:     Ich hab's! Die sind sicher von Andrea -Typisch
Peter:     Du hörst mir ja gar nicht zu.
Beate:     (Ignoriert ihn.) Ich ruf' im Blumenladen an.
Peter:     (stolz) Okay, ich war's.
Beate:     Quatsch
Peter:     Ich war's – wirklich!
Beate:     Warum? solltest du das tun?
Peter:     ....weil ich dich liebe!
Beate:     Sei doch nicht so kindisch. Wo ist das Telefonbuch?
Peter:     Beate, den Kassenzettel (Holt ihn aus der Brieftasche)
Beate:     (Glaubt es immer noch nicht.) Die sind wirklich von dir?
Peter:     (stolz) Ja.
Beate:     (Pause) Na, gut. Also, sag schon, was willst du?
Peter:     (Entsetzt) Nichts.
Beate:     Nichts? Du hast mir noch nie Blumen geschickt. Du bist  doch hinter irgend etwas her..
Peter:     Nein, ich schwöre dir, ich bin hinter nichts her ... außer vielleicht hinter dir.
Beate:     Aha, darum geht es.
Peter:     Ich geb's auf. Da überlege ich mir etwas Besonderes für meine Frau,
    weil ich sie liebe, und sie glaubt mir nicht.
Beate:     (Sie sieht die Liste durch.) Peter, Peter, Peter .... Da haben wir's. Peter.
Peter:     Ich steh' da auch drin?
Beate:     Selbstverständlich.
Peter:     Vergiß es, vergiß alles. Ich werf' die Blumen in den Mülleimer.
Beate:     Peter.. bitte .. sei doch nicht so kindisch.
Peter:     Ich will nicht, dass du dich verpflichtet fühlst, dich für das Geschenk zu revanchieren,
    mit mir gleichzuziehen. Ich geb' dir etwas ganz einfach, weil ich dich liebe.
Beate:     Ich war nur so überrascht - . Ich wollte ja nur
    (Umarmt ihn.) Du bist wirklich ganz lieb.
    ... Gibst du den  schönen Blumen  ein bisschen  Wasser bitte
Peter:     OK, ich mach's nur, weil ... ich dich liebe.   (Er geht hinaus.)
Beate:        (Sie hebt die Liste auf, schreibt) Peter. Blumen. 25 März....
Anlass: (Sie denkt nach) weil er mich liebt.
(in der Art wie sie den letzten Satz sagt, erkennt man, daß sie vielleicht verstanden hat.)
Sie blickt hoch nach dem Satz – Das Licht blendet langsam aus.