Interview mit Eric Wehrlin & Eva-Maria Admiral
Das Interview wurde geführt von der Zeitschrift "Neues Leben".
Wie haben Sie beide sich kennen gelernt?
Eric: In der Schauspielschule 1984. Wir haben gleich gewusst, dass es um uns geschehen war ...
Wie war das für Sie, mit Ihrem Mann gemeinsam auf der Bühne zu stehen?
Eva-Maria: Die ersten zehn Jahre hab ich nicht mit meinem Mann gemeinsam Theater gespielt. Das habe ich als sehr positiv empfunden, so konnte sich jeder in eine eigene Richtung entwickeln. Erst seit wir im christlichen Bereich arbeiten, spielen wir gemeinsam.
Wie kam es zu diesem Schritt?
Eva-Maria: Ich war insgesamt 15 Jahre am Theater tätig. Und während der Zeit am Theater ist in mir dieser Wunsch immer stärker geworden, meine Begabungen und die Arbeit mit dem verbinden zu können, was mir am wichtigsten ist: mein Glaube. Die ganze Zeit habe ich gedacht, man müsste im christlichen Bereich theatermäßig etwas tun. Und irgendwann hab ich gesagt: "Okay, lass uns weggehen vom Theater und lass uns versuchen, eigene Theaterproduktionen auf die Beine zu stellen und von Gott zu erzählen. Und lass uns schauen, ob wir so irgendwie Fuß fassen können."
Sie treten ja oft gemeinsam auf, machen aber auch Projekte allein. Was ist Ihnen lieber?
Eric: Ich bin lieber alleine auf Tour. Ich finde es meistens stressig, beruflich mit Eva-Maria unterwegs zu sein, da sie sehr schnell auf 100 ist, während sie es wiederum oft als nervend empfindet, wenn ich in den meisten Situationen ruhig und ausgeglichen bin. Ich glaube, Eva-Maria empfindet eine Tournee als Kurzstreckenlauf, wo man jedes Mal 100 Prozent geben muss. Das ist ihr Temperament. Ich verstehe meine beruflichen Aktivitäten eher als Marathonläufer und nicht als Kurzstreckenläufer.
Wie kann man zwischen Privatleben und Beruf trennen?
Eric: Da haben wir beide unsere Probleme. Bei uns überschneidet sich Beruf und Privatleben ständig. Zumal wir viel Privates auch in Berufliches umsetzen können und müssen - wie sonst soll ich eine Eheszene spielen? Aber wir finden es immer sehr hilfreich, wenn wir mehrere Monate im Jahr nicht in Europa verbringen. In diesen Zeiten steht das gemeinsame Erleben im Mittelpunkt.
Eva-Maria: Seitdem wir im christlichen Bereich selbstständig sind, finde ich es wesentlich schwieriger. Früher am Theater fand ich es viel leichter, da konnte man vom Theater nach Hause gehen und privat sein. Jetzt haben wir zu Hause ein Büro, planen dort unsere ganzen Tourneen und proben auch zu Hause.
Haben Sie schon einmal erlebt, dass es sich als großer Segen erwiesen hat, dass Sie einen gemeinsamen Beruf haben?
Eric: Ja! Als Eva-Maria 2006 mit einer Gehirnhautentzündung im Krankenhaus lag, hatte ich zufällig frei und konnte gleich ein paar Vorstellungen von ihr übernehmen. Aber es gibt auch noch einen tieferen Segen: Der Schauspielberuf ist manchmal ein wochenlanges Abringen mit Gedanken, man ist auf dem mühevollen Weg der Spurensuche, ständig mit dem plagenden Gedanken, ob man überhaupt noch auf dem richtigen Weg oder in eine Sackgasse abgedriftet ist. Da ist der Austausch mit dem vertrauten Ehepartner oder zumindest einem fachkundigen Monitor sehr wichtig und hilfreich.
Was machen Sie, wenn Sie abends nach Hause kommen? Brauchen Sie dann auch mal Ruhe von einander?
Eric: Nein, nicht Ruhe von einander, sondern Ruhe und Distanz von der beruflichen Anstrengung, die hinter einem liegt. Einen Strich unter das Geleistete ziehen und eine Aufgabe innerlich abschließen. Das gelingt am besten durch eine sportliche Aktivität, z.B. eine Stunde Joggen mit Hund...
Eva-Maria: Ich bin froh, dass Eric da ist. Wir haben unterschiedliche Bedürfnisse. Mein Mann ist eher der typisch männliche Einzelgänger, Einzelkämpfer. Und ich bin die typisch weibliche Vielgesprächspartnerin. Wir sehen uns nicht so oft, weil wir beide auf Tournee sind mit unseren Stücken und wenn wir uns sehen, ist das sehr schön.
Wie hat sich denn im Laufe der Jahre Ihre Ehe verändert durch diesen gleichen Beruf?
Eva-Maria: Als wir beide noch am Theater waren, sind wir abends nach Hause gekommen und waren nur Ehepaar. Als wir uns dann selbstständig gemacht haben, war das ein krasser Unterschied. Ich war am Anfang sehr enttäuscht, dass wir Tag und Nacht nur über Arbeit geredet haben. Am Anfang ist es mir extrem schwer gefallen. Wir haben uns auch mit Hilfe einer Eheberatung da durchgekämpft, sodass wir wieder gesunde Grenzen finden und besser damit umgehen können.
Gibt es bei Ihnen Konkurrenzdenken?
Eric: Nein, nicht wirklich...
Eva-Maria: In einem Bereich gibt es bei mir schon Konkurrenzdenken. Was mich oft tierisch nervt, ist, wenn von uns beiden Berichte geschrieben oder Interviews gemacht werden und gerade im konservativen christlichen Bereich wird dann immer eher der Mann zitiert. Und ich diene dann quasi als Frau von Eric Wehrlin. Da steige ich öfter auf die Palme.
Haben Sie einen Tipp, wie man es schaffen kann, eine glückliche und erfüllte Beziehung zu leben?
Eric: Immer wieder Situationen einbauen, in denen man pro Woche 1-2 Stunden miteinander reden muss. Es ist auch eine große Hilfe, möglichst bald in eine gute Eheberatung zu gehen. Auch wenn alles wunderbar läuft, macht es Sinn mit einer kompetenten Fachperson über die Ehe und die Verhaltensmuster zu reflektieren.
Eva-Maria: Es ist sehr wichtig, dass ich nicht aufhöre, an mir selbst und unserer Beziehung zu arbeiten. Das war für mich der absolute Schlüssel, dass ich gesagt habe: Ich will in meiner Beziehung nicht stehen bleiben, ich selbst entwickle mich ja weiter, und so muss sich auch unsere Beziehung weiterentwickeln.
Wie soll Ihre Ehe und Karriere weitergehen? Welche Träume haben Sie?
Eric: Viele. Jeden Tag kommen neue hinzu ... Einen Film? Einen Neuanfang in Neuseeland? Wir üben uns noch darin, keine Angst vor unseren Träumen zu haben.
Eva-Maria: Für unsere Ehe hoffe ich, dass wir noch besser lernen, mit unseren Unterschieden umzugehen und dass wir noch besser lernen zu kommunizieren.

